Prozesskosten nicht bezahlt

Haftbefehl gegen AfD-Mann Krah im Streit mit Böhmermann

Nach einem verlorenen Prozess gegen Jan Böhmermann wurde ein Haftbefehl gegen AfD-Politiker Maximilian Krah erlassen. Es geht um 296,26 Euro.
Nick Wolfinger
13.08.2026, 14:01
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Ein fast zwei Jahre alter Streit zwischen AfD-Bundestagsabgeordnetem Maximilian Krah und Satiriker Jan Böhmermann hat jetzt ungewöhnliche Folgen. Das Amtsgericht Chemnitz hat einen Haftbefehl gegen den Politiker erlassen. Hintergrund sind offene Kosten aus einem verlorenen Gerichtsverfahren.

Zunächst hatte nur der "Spiegel" darüber berichtet, inzwischen bestätigte das Gericht den Erlass gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

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Alles begann am Oktoberfest 2024

Der Ursprung des Rechtsstreits reicht bis zum Münchner Oktoberfest 2024 zurück. Krah war am 28. September 2024 im bekannten Käfer-Zelt zu Gast.

Maximilian Krah war auch im nächsten Jahr wieder im Festzelt Käfer auf dem Münchner Oktoberfest anzutreffen – hier auf einem Foto vom 27. September 2025
APA-Images / dpa / Felix Hörhager

Wenige Tage später griff Jan Böhmermann die Geschichte in seinem gemeinsam mit Olli Schulz moderierten Podcast "Fest und Flauschig" auf. In der Anfang Oktober veröffentlichten Folge las Böhmermann die Zuschrift eines Hörers vor. Darin wurde behauptet, Krah habe im Käfer-Zelt 200 Flaschen Champagner bestellt.

Krah klagte auf Unterlassung ...

Krah bestritt, 200 Flaschen bestellt zu haben. Die ursprüngliche Darstellung wurde später präzisiert. Nach weiteren Recherchen war von rund 50 Flaschen Champagner die Rede. Zudem wurde klargestellt, dass die Bestellung nicht direkt von Krah selbst gekommen sein soll.

Krah wollte Böhmermann die Äußerungen gerichtlich untersagen lassen. Er argumentierte, die Geschichte könne sein Persönlichkeitsrecht verletzen. Eine solche Bestellung könne schließlich den Eindruck von "Großspurigkeit, Selbstdarstellung und einem starken Geltungsbedürfnis" erwecken.

... und verlor

Doch Krah verlor das Verfahren. Entscheidend war unter anderem, dass Böhmermann deutlich gemacht hatte, lediglich eine Hörerzuschrift vorzulesen. Auch die rasche Ergänzung beziehungsweise Präzisierung der Angaben spielte eine Rolle. Das Gericht sah Krahs Persönlichkeitsrecht nicht verletzt.

Damit musste Krah auch für die Prozesskosten aufkommen. Rund 5.000 Euro musste Böhmermann zunächst über ein Vollstreckungsverfahren eintreiben. Krah überwies den Betrag Anfang 2026 schließlich über das Konto seines Sohnes.

"Ich habe gezockt", erklärte Krah damals gegenüber T-Online. Er habe so spät wie möglich zahlen wollen.

Wegen 296,26 Euro zum Gericht

Erledigt war die Angelegenheit damit offenbar noch nicht. Weitere 296,26 Euro sind offen. Mitte Juli setzte eine Gerichtsvollzieherin deshalb einen Termin zur Vermögensauskunft mit Krah an. Der AfD-Politiker erschien nicht.

Daraufhin wurde beim Amtsgericht Chemnitz ein Haftbefehl beantragt. Dieser wurde inzwischen erlassen. Krah erklärte, er habe von dem Termin mit der Gerichtsvollzieherin "keine Kenntnis" gehabt. Er sei zudem überrascht, dass "ständig Forderungen nachgeschoben" würden. Sein Anwalt werde diese prüfen, dann werde er im Zweifel bezahlen.

Muss Krah jetzt wirklich in Haft?

Der Haftbefehl bedeutet nicht, dass Krah jetzt ins Gefängnis muss. Es handelt sich nicht um einen strafrechtlichen Haftbefehl, sondern um Erzwingungshaft: Sie soll ihn zur Abgabe der Vermögensauskunft bewegen und kann theoretisch bis zu sechs Monate dauern. Weil Krah Bundestagsabgeordneter ist, kann der Haftbefehl aber nicht ohne Weiteres vollstreckt werden.

Das Amtsgericht Chemnitz prüft nun, ob es beim Bundestag die dafür nötige Auslieferung beantragt. Erst wenn diese erteilt wird, könnte Krah tatsächlich festgenommen werden. Eine längere Haft erscheint allerdings äußerst unwahrscheinlich. Gibt Krah die verlangte Vermögensauskunft ab, fällt der Zweck der Erzwingungshaft weg. Allein die Zahlung der noch offenen 296,26 Euro ist allerdings nicht automatisch dasselbe wie die Abgabe der Vermögensauskunft.

Krah nennt Böhmermann "Widerling"

Dass Krah wenig Freude damit hat, Geld an die Gegenseite zu überweisen, macht er deutlich. Über Böhmermann sagte der AfD-Politiker, er halte ihn für "einen Widerling". Deshalb zahle er "nur widerwillig".

Was im September 2024 mit einer Champagner-Geschichte am Oktoberfest begann, beschäftigt Krah fast zwei Jahre später noch immer - wegen 296,26 Euro steht inzwischen sogar ein Haftbefehl im Raum.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 13.08.2026, 14:01
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