Ein privater Kindergartenverein soll Fördergelder missbräuchlich verwendet haben, trotzdem zahlte die Stadt Wien weiter – wir berichteten. In den letzten Jahren flossen angeblich rund 30 Millionen Euro Steuergeld an den privaten Kiga-Verein Abendstern. Das wurde auch bereits vom Wiener Stadtrechnungshof kritisiert.
In einem Hintergrundgespräch packen nun zwei ehemalige Betreuerinnen über Missstände aus – und machen mutmaßliche Schikanen öffentlich. So sollen im Winter in den Räumen von Kindergruppen plötzlich die Heizungen abgedreht worden sein. Den Betreuerinnen wurde angeblich erzählt, die Therme sei "kaputt und die Reparatur benötigt Zeit". "Tatsächlich wurde die Therme im Keller aktiv ausgeschaltet", so Betreuerin Lisa L. (Name geändert).
Auch Obst und Gemüse gab es kaum. Eine halbe Gurke habe für 14 Kinder eine Woche lang reichen müssen, berichtet die ehemalige Kiga-Angestellte. Obst musste einmal pro Woche von den Eltern bereitgestellt werden – obwohl diese 150 Euro pro Monat für die Ganztagesbetreuung zahlten. "Sobald man sich über Kleinigkeiten beschwert hat, wurde mit Kündigung gedroht", erzählt die Pädagogin.
Die Liste der Missstände ist laut den ehemaligen Betreuerinnen lange: So durfte beim Wickeln von Kleinkindern immer nur ein Handschuh verwendet werden. Der Seifenspender habe für 300 Mal Händewaschen reichen müssen.
Umbauarbeiten seien bei laufendem Betrieb erfolgt. Die Betreuerinnen hätten keine Zeit gehabt, die vielen Kinder mit Migrationshintergrund beim Deutschlernen zu unterstützen. Sie seien vorwiegend mit Putzen, Kochen, Wickeln und Aufräumen beschäftigt gewesen.
"Hinweise wurden ignoriert und fragwürdige Kindergartenvereine konnten so weiter Förderungen erhalten. Diese Verschwendung von Steuergeld ist untragbar. Zumindest jetzt sollten die Neos aufwachen und die zuständige Neos-Stadträtin Emmerling endlich konsequent eingreifen", so VP-Klubchef Harald Zierfuß.
Die VP Wien fordert nun einen sofortigen Förderstopp und die Schließung des Kinderbetreuungsvereins "Abendstern". Dieser äußerte sich trotz Anfrage von "Heute" bis jetzt nicht zu den Vorwürfen.