Auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff vor der Küste von Kap Verde sind nach einem möglichen Ausbruch vom Hantavirus drei Menschen gestorben. Drei weitere Passagiere sind erkrankt, wie Behörden und Medien am Sonntag (Ortszeit) mitgeteilt haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersucht den Vorfall.
Das Hantavirus gehört zur Familie der Hantaviridae und ist ein umhülltes, einsträngiges RNA-Virus. Es wird hauptsächlich durch die Ausscheidungen von Nagetieren wie Mäusen und Ratten auf den Menschen übertragen. Weltweit gibt es unterschiedliche Virusarten, die je nach Region und Wirtstier verschiedene Krankheitsverläufe auslösen.
In Mitteleuropa sind vor allem das Puumala-Virus, das durch Rötelmäuse übertragen wird, und das Dobrava-Belgrad-Virus Typ Kurkino, das von Brandmäusen stammt, verbreitet. Weitere Hantavirus-Arten kommen etwa in Spitzmäusen, Fledermäusen und Maulwürfen vor, wobei deren Rolle als Überträger noch nicht eindeutig geklärt ist.
Laut wissenschaftlichen Studien existieren Viren der Gattung Hantavirus bereits seit Jahrhunderten, wobei Epidemien in Asien und Europa dokumentiert wurden. In der östlichen Hemisphäre wurden sie mit hämorrhagischem Fieber und Nierenversagen in Verbindung gebracht.
Wie die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf ihrer Website erklärt, erfolgt die Ansteckung meist durch das Einatmen virushaltiger Aerosole, die etwa beim Kontakt mit Mäusekot oder -urin entstehen. Auch der direkte Kontakt mit offenen Hautstellen oder der Verzehr kontaminierter Lebensmittel kann zu einer Infektion führen.
Eine Hantavirus-Infektion verläuft häufig ohne Symptome oder führt zu unspezifischen Beschwerden wie Abgeschlagenheit. Bei symptomatischen Verläufen stehen je nach Virusart unterschiedliche Symptome im Vordergrund: In Europa sind Fieber, Blutungen und eine eingeschränkte Nierenfunktion typisch. Entzündungen des Herzmuskels, der Schilddrüse oder des zentralen Nervensystems können auftreten. Die mildere Form, Nephropathia epidemica, betrifft vor allem die Nieren.
In Nord- und Südamerika können Hantaviren ein schweres Lungen- und Herzsyndrom hervorrufen, das mit einer Sterblichkeit von bis zu 40 Prozent einhergeht. Die Inkubationszeit beträgt meist zwei bis vier Wochen, kann aber auch variieren.
Eine spezifische Therapie gegen das Hantavirus gibt es derzeit nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und gegebenenfalls eine intensivmedizinische Betreuung, um Blutungen und Nierenschäden zu behandeln oder die Atmung zu unterstützen.
Zur Vorbeugung empfiehlt die AGES, Kontakt mit Nagetier-Ausscheidungen zu vermeiden. Lebensmittel sollten sicher gelagert und Nagetiere im Wohnumfeld bekämpft werden. Beim Kontakt mit toten Nagetieren oder an verdächtigen Orten sollten Handschuhe und Atemschutzmasken getragen werden. Vor der Entsorgung sollten Mäusekadaver und Exkremente mit Reinigungsmittel benetzt werden.
Im Jahr 2023 wurden in Österreich 97 Hantavirus-Fälle registriert. Die Fallzahlen schwanken jährlich stark, wie die Statistik der vergangenen Jahre zeigt. In Jahren mit erhöhtem Mäuseaufkommen können die Zahlen deutlich steigen.