In Süditalien schlagen Ärzte Alarm: Rund um Neapel breitet sich Hepatitis A derzeit ungewöhnlich stark aus. Innerhalb weniger Tage wurden 133 Infektionen gemeldet – deutlich mehr als üblich.
Die Situation in den Spitälern ist angespannt. "Wir befinden uns in einer sehr akuten Phase. Unsere Notaufnahmen sind überfüllt, Patienten werden auf Tragen eingeliefert", sagt Novella Carannante, Fachärztin für Infektionskrankheiten am Spital Cotugno.
Laut den Medizinern ist ein solcher Anstieg zu dieser Jahreszeit höchst ungewöhnlich. "Wir haben Patienten jeden Alters in den Spitälern", erklärte Carannante gegenüber dem Sender RAI. Viele Erkrankte müssen stationär aufgenommen werden.
Normalerweise würden in diesem Zeitraum nur rund zehn, meist mild verlaufende Fälle auftreten, die zu Hause behandelt werden können. Aktuell sieht die Lage jedoch ganz anders aus: "Derzeit haben wir jedoch eine lange Liste schwer erkrankter Patienten, und die Station ist komplett belegt", so die Ärztin.
Als mögliche Ursache gilt der Verzehr von rohen Muscheln. In der Region Kampanien treten Hepatitis-A-Fälle zwar häufiger im Jänner auf – vor allem wegen des Konsums roher Meeresfrüchte rund um die Feiertage. Mit Blick auf die bevorstehende Osterzeit und traditionelle Gerichte wie Muschelsuppe wächst nun die Sorge vor weiteren Infektionen.
Grundsätzlich wäre die Krankheit vermeidbar, betont Carannante. Allerdings ist die Impfung in Italien nicht verpflichtend, ausgenommen bestimmte Berufsgruppen wie Köche oder medizinisches Personal – viele Menschen sind daher nicht geschützt.
Die Behörden reagieren bereits: In der Region Kampanien wurden die Kontrollen entlang der Muschel-Lieferketten verschärft und zusätzliche Präventionsmaßnahmen gesetzt. Laut offizieller Mitteilung erfordert die Entwicklung nun "höchste Aufmerksamkeit" bei Lebensmittelsicherheit, epidemiologischer Überwachung und Information der Bevölkerung.