Thomas Hitzlsperger sprach bereits 2014 offen über seine Homosexualität. Nun gewährt der ehemalige deutsche Nationalspieler Einblicke in die schwierige Zeit vor seinem Coming-out und erzählt, unter welchem enormen Druck er während seiner aktiven Karriere stand.
Im NDR-Podcast "Wie geht's? mit Robin Gosens" schildert der 44-Jährige, wie sehr ihn die Situation damals belastete. "Ich hatte so eine innere Anspannung, dass ich irgendwann angefangen habe zu schwitzen. Auf einmal sitze ich da beim Mittagessen und fange an zu schwitzen", erzählt Hitzlsperger.
Vor allem das Leben in der Mannschaftskabine sei für ihn zunehmend schwieriger geworden. Mit Mitte oder Ende 20 habe er gemerkt, dass er sich dort nicht mehr wohlfühlte. Während seine Teamkollegen gemeinsam ausgingen und Frauen kennenlernen wollten, beschäftigte ihn etwas anderes.
"Ich will einen Freund kennenlernen, und das geht nicht", beschreibt Hitzlsperger seine damalige Situation. Besonders belastend sei seine Zeit bei Lazio Rom gewesen. 2010 wechselte der ehemalige Stuttgart-Profi nach Italien, blieb dort allerdings nur wenige Monate.
"Da hat es mich dann echt zerrissen", erinnert er sich. Seine Mitspieler hätten ihn immer wieder nach Familie, Frau und Kindern gefragt. Für Hitzlsperger wurde die Situation zunehmend unerträglich: "Ich dachte, ich muss raus hier."
Gleichzeitig sah er damals keine Möglichkeit, sich seinem Trainer anzuvertrauen. "Ich kann dem Trainer nicht erklären: 'Ich habe ein Problem, habe massive Ängste, und schwul bin ich auch noch.' Das lief nicht. Das halbe Jahr in Rom war echt die Hölle", erzählt der 44-Jährige.
Gespräche mit Freunden und Familienmitgliedern seien zwar positiv verlaufen, ein öffentliches Coming-out konnte er sich während seiner aktiven Laufbahn dennoch nicht vorstellen. Erst nach seinem Karriereende 2013 entschied sich Hitzlsperger für diesen Schritt und machte seine Homosexualität Anfang 2014 öffentlich.