Helmut B. (57) blickt auf eine erfolgreiche Karriere zurück: "Ich habe Glück gehabt im Leben – vor allem beruflich." Der gebürtige Deutsche lebt seit rund zehn Jahren in Wien, ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Früher war er als Manager in einem großen Konzern tätig, später machte er sich als Berater selbstständig.
Mittlerweile hat er seine Arbeitszeit bewusst reduziert. Denn schon länger stand für ihn fest, dass Karriere und Beruf nicht alles sein sollen. "Ich wollte was Sinnvolles, was Soziales machen. Es war immer schon so, dass ich im letzten Lebensdrittel etwas zurückgeben wollte, Dankbarkeit zeigen, weil ich eben Glück gehabt habe", erzählt er im "Heute"-Interview.
Bei seiner Suche nach einem passenden Ehrenamt stieß Helmut im Internet auf das Freiwilligen-Projekt "Stadtmenschen" in Kooperation mit dem Fonds Soziales Wien (FSW). Er informierte sich vor Ort – und wusste schnell, dass er hier richtig ist. "Das hat mir gleich gefallen. Die Tätigkeit ist super flexibel, ich kann mir die Zeit selber einteilen."
Seit rund einem Jahr engagiert er sich nun bei "Stadtmenschen". Das Projekt unterstützt Wiener, die sich im sozialen Angebot der Stadt nicht mehr zurechtfinden oder bei alltäglichen Herausforderungen Hilfe benötigen.
Helmut ist unter anderem bei den "Buddies" tätig. Dabei werden Klienten im Rahmen einer aufsuchenden 1:1-Betreuung über einen längeren Zeitraum begleitet. Ein- bis zweimal im Monat besucht der 57-Jährige "seine" Wienerin zu Hause und unterstützt sie bei Dingen, die für andere selbstverständlich erscheinen: Bank, Post, Behörden oder Arztbesuche.
"Das Ziel ist, dass die Buddies aus den Problemsituationen herausfinden und wieder vollkommen selbstständig werden", erklärt der Wahl-Wiener. Bei seiner Klientin hatte die Unterstützung ganz konkrete Auswirkungen. Die Frau litt unter großen gesundheitlichen Problemen, ging aber nicht zum Arzt. Helmut half ihr dabei, Termine bei verschiedenen Fachärzten auszumachen – und sorgte auch dafür, dass sie diese wahrnahm.
"Die Ärzte haben auch etwas gefunden, es war dann sogar ein Eingriff bei ihr nötig." Der Unterschied sei heute enorm: "Die Dame, die ich betreue, konnte keine 50 Meter weit gehen – auch nicht zur Bank. Nach den Terminen bei den Fachärzten und dem Eingriff ist es wieder möglich."
Helmut ist überzeugt, dass Menschen keine spezielle Berufsausbildung brauchen, um anderen unter die Arme zu greifen. "Nichts ist unmöglich – man muss kein ausgebildeter Sozialarbeiter sein. Es braucht einfach einen gesunden Menschenverstand. Im Wesentlichen geht es darum, dass man den Leuten zuhört und Hilfestellung gibt."
Ganz ohne Vorbereitung werden die Freiwilligen allerdings nicht losgeschickt. Vor ihrem ersten Einsatz absolvieren sie einen verpflichtenden, mehrtägigen Lehrgang. Je nach Tätigkeitsbereich können weitere Workshops folgen. Bei schwierigen Fragen stehen zudem professionelle Sozialarbeiter zur Verfügung.
Wer sich bei den "Stadtmenschen" engagieren möchte, kann zwischen vier Tätigkeitsbereichen wählen. Bei "Stadtmenschen Mobil" begleiten und unterstützen Freiwillige Menschen bei Terminen. Bei den "Stadtmenschen Buddies" geht es wie bei Helmut um eine aufsuchende 1:1-Betreuung von Klienten.
Der dritte Bereich sind die "Stadtmenschen Sprechstunden". Dort führen Ehrenamtliche niederschwellige Orientierungsgespräche und helfen bei ganz konkreten Problemen. Die vierte Säule nennt sich "Stadtmenschen Gesundheitsbotschafter:innen" und zielt darauf ab, das Bewusstsein für Krebserkrankungen bei Frauen zu stärken.
Helmut übernimmt etwa rund zweimal im Monat Sprechstunden im Büro der "Stadtmenschen". Dort kommen Wiener mit ganz unterschiedlichen Anliegen vorbei. Mal geht es um Anträge oder eine Invaliditätspension, mal um den ORF-Beitrag oder offene Stromrechnungen. Die Freiwilligen greifen dann gemeinsam mit den Betroffenen zum Telefonhörer.
Wann: 17. und 18. Oktober 2026, 10 bis 17 Uhr
Wo: Rathaus, 1., Lichtenfelsgasse 2
Eintritt: frei!
"Wir versuchen, die Probleme zu lösen – nicht für die Leute aber gemeinsam mit ihnen." Für Helmut ist das Ehrenamt inzwischen weit mehr als nur eine Beschäftigung neben seinem Beruf. "Du kriegst so eine herzliche Dankbarkeit zurück – das bestätigt mich dann auch. Das ist für mich das Sinnvolle daran."
Sein Blick auf das eigene Leben habe sich dadurch verändert. "Mein Leben ist viel erfüllter. Früher war mein Fokus extrem auf den Beruf ausgerichtet und damit auch sehr begrenzt. Es gibt aber viel mehr." Seine Botschaft an andere ist klar: "Man muss ein bissl selber leben, aber auch was geben und seine Lebenserfahrung weitergeben."