Wirbel unter Mitarbeitern

Wiener Café Engländer schließt nach Eklat früher

Nach dem Streit mit der Belegschaft schließt das Café Engländer bereits am Donnerstag. Eigentlich sollte es noch eine Woche weitergeführt werden.
Newsdesk Heute
07.10.2026, 22:15
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Das traditionsreiche Café Engländer in der Wiener Innenstadt schließt früher als geplant. Bereits am Donnerstag ist Schluss. Eigentlich hätte der bisherige Betrieb noch bis Mitte Oktober weiterlaufen sollen, bevor das Lokal an die neuen Eigentümer übergeben wird. Nun wurde die Belegschaft am Mittwoch über die vorgezogene Schließung informiert, berichtet der "Standard".

Hintergrund ist laut Bericht ein Streit zwischen dem künftigen Miteigentümer Mario Plachutta und der Belegschaft. Mitarbeiter werfen dem Gastronom demnach vor, am Montag bei einem Besuch im Lokal laut geworden zu sein. Danach soll die Belegschaft erklärt haben, unter diesen Bedingungen nicht für die neuen Eigentümer arbeiten zu wollen. Plachuttas Anwalt weist diese Darstellung zurück.

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Der Konflikt kommt zu einem besonders heiklen Zeitpunkt. Nach dem Tod des langjährigen Betreibers Christian Wukonigg war die Betreibergesellschaft insolvent geworden. Im September erhielten Mario Plachutta und Peter Friese, Betreiber des Schwarzen Kameel, den Zuschlag für das Café Engländer.

Streit um Zustand des Lagers

Nach Darstellung der Mitarbeiter besichtigte Plachutta am Montag gemeinsam mit seinem Sohn und einem weiteren Mann das Lokal. Dabei ließ er sich vom Küchenchef das Lager zeigen. Dieses befindet sich laut Berichten wegen eines Wassereinbruchs in schlechtem Zustand. Fliesen sollen von der Wand gefallen und der Estrich beschädigt sein. Im Lager sei es zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen, schildern Mitarbeiter.

Plachutta habe sich über den Zustand der Räumlichkeiten aufgeregt. Später soll es auch im Schankraum zu einem Wortwechsel gekommen sein. Die Mitarbeiter berichten von einem Tonfall, der sie dazu gebracht habe, einen gemeinsamen Abschied vom Engländer ins Auge zu fassen. Ein Kellner sagte gegenüber dem "Standard", man habe nach dem Vorfall nicht mehr unter Plachutta arbeiten wollen.

Plachuttas Anwalt bestreitet dagegen, dass sich sein Mandant vor Gästen schlecht benommen oder mit Kündigungen gedroht habe. Eine entsprechende Drohung sei zudem rechtlich nicht plausibel, weil die bestehenden Dienstverhältnisse im Rahmen des Insolvenzverfahrens von der Masseverwalterin beendet würden.

Personal muss sich neu bewerben

Die neue Eigentümerseite übernimmt das Café damit ohne automatische Übernahme der bisherigen Belegschaft. Laut Plachuttas Anwalt steht es den bisherigen Mitarbeitern frei, sich später erneut zu bewerben.

Für die Beschäftigten ist das offenbar keine attraktive Option. Ein Kellner sagte dem "Standard", dass man sich mit der langjährigen Erfahrung im Engländer keine Sorgen mache, einen anderen Arbeitsplatz in Wien zu finden.

Wie viele Mitarbeiter tatsächlich bleiben oder sich später erneut bewerben, ist derzeit offen. Die bisherige Belegschaft umfasst rund 20 Personen. Viele von ihnen arbeiten bereits seit Jahren in dem Kaffeehaus.

Umbau vor Neustart

Die vorgezogene Schließung dürfte nicht das Ende des Café Engländer bedeuten. Unter den neuen Eigentümern sind offenbar Umbau- und Renovierungsarbeiten geplant. Insider rechnen laut "Standard" mit einer mehrwöchigen Schließphase. Die "Presse" berichtet von einer geplanten Wiedereröffnung nach den Arbeiten, voraussichtlich im Jänner.

Plachutta und Friese hatten bereits bei der Übernahme angekündigt, die Identität des traditionsreichen Kaffeehauses erhalten zu wollen. Das Erscheinungsbild solle grundsätzlich beibehalten werden. Gleichzeitig soll das gastronomische Konzept weiterentwickelt werden.

Peter Friese widerspricht außerdem der Darstellung, dass im Engländer künftig lediglich fertige Speisen aufgewärmt werden sollen. Gegenüber der "Presse" kündigte er eine größere Karte mit leichten Gerichten, Mehlspeisen und kleinen Happen an. Auch die aus dem Schwarzen Kameel bekannte Aperitivo-Kultur soll eine Rolle spielen.

Nicht der erste Personalstreit

Für Plachutta ist der aktuelle Konflikt nicht die erste Auseinandersetzung mit einem Mitarbeiter, die öffentlich bekannt wurde. 2014 entließ er einen Kellner, der selbst gekaufte Erdbeeren mit Staubzucker aus der Plachutta-Küche verfeinert hatte. Ein Arbeitsgericht erklärte die Entlassung später für rechtswidrig.

Auch bei der Übernahme des Café Bräunerhof durch Plachutta und Friese hatte es laut "Presse" Diskussionen mit Teilen des bisherigen Personals über neue Arbeitsverträge gegeben.

Im Engländer soll der Streit nun jedenfalls keine weitere Woche mehr im laufenden Betrieb ausgetragen werden. Das Kaffeehaus sperrt bereits am Donnerstag zu. Wann genau die neuen Betreiber wieder aufsperren und wie groß die Veränderungen tatsächlich ausfallen, ist noch offen.

red,07.10.2026, 22:15