Die erstmalige WM-Teilnahme für Österreichs Fußball-Team der Männer seit 28 Jahren endete mit dem Aus im Sechzehntelfinale. Nach der überstandenen Gruppenphase setzte es gegen den amtierenden Europameister Spanien am Donnerstag in Los Angeles eine deutliche 0:3-Niederlage. Der Turnier-Mitfavorit war eine Nummer zu groß.
Das sah auch der ORF-Experte Andreas Herzog so und legte durchaus kritisch den Finger in die Wunde. "Der Verdienst der letzten Jahre ist, dass wir uns sogar gegen Spanien etwas erhofft haben. Diese Mannschaft war in den letzten Jahren sehr, sehr gut, hat sich jedes Lob verdient", meinte Herzog mit großer Bewunderung, wurde dann aber kritischer. "Wir haben in den letzten Jahren immer davon gelebt, dass wir unsere Gegner überpowert haben. Das war gestern aber überhaupt nicht der Fall", meinte der Ex-Teamspieler, vermisste bei Rot-Weiß-Rot die spielerische Linie.
"Wenn man sieht, mit welcher Leichtigkeit die Spanier spielen – Pässe, Kombinationen, Dribbel-Stärke", geriet der 103-malige ÖFB-Nationalspieler ins Schwärmen. ORF-Moderator Rainer Pariasek fragte dann, ob Österreich ein derartiges Spiel denn nicht auch drauf habe. Darauf folgte eine klare Herzog-Antwort: "Nein, das haben wir nicht drauf. Der Fußball ist so schwierig, wenn man als Österreich gegen so eine tolle Mannschaft spielt. Da sieht man, dass wir Ecken davon entfernt sind."
Das Gegenpressing, der typische Red-Bull-Fußball, habe Österreich in den letzten Jahren ausgemacht, betonte Herzog. "Aber die Weltklasse-Kicker sind doch froh, wenn einer voll angeflogen kommt. Da wackel ich zweimal mit dem Hintern, spiele ihn aus und das Pressing ist gebrochen", erklärte der Ex-Fußballer, sprach damit schnelle Körpertäuschungen an und betonte, dass, wenn man eine Pressing-Welle überspielt, diese freilich als Defensivspieler fehlen. "Wir müssen schon aufpassen, dass wir im Spielerischen besser werden", warnte Herzog, ergänzte: "Wenn es eben nicht funktioniert, haben wir in vier Spielen neun Gegentore kassiert."
Nun sieht Herzog vor allem die Nachwuchsausbildung als Knackpunkt. "Wir haben Probleme, weil wir die Dribbler auf der Seite nicht haben. Das wird länger dauern. Es dauert Jahre, bis wir da hinkommen. Nur jahrelang gegen den Ball auszubilden und das als Sinn des Fußballs zu sehen, ist ein bisschen zu wenig", mahnte der 57-Jährige.