Vor einer Woche kam es zur großen Eskalation zwischen Cristiano Ronaldo und Portugals Teamchef Jorge Jesus. Der hatte Superstar Ronaldo im zweiten Nations-League-Spiel gegen Norwegen (2:1) auf die Bank gesetzt, auch nicht eingewechselt – obwohl der 41-Jährige rund eine halbe Stunde lang aufgewärmt hatte. Coach Jesus hatte dann klargemacht, dass der Star-Spieler auch gegen Dänemark im dritten Spiel auf der Bank sitzen werde. Das war Ronaldo dann zu viel. Er ergriff plötzlich im Privatjet die Flucht.
Seither haben einige Meldungen die Runde gemacht. Coach Jesus soll mit Ronaldo abgesprochen haben, ihn in den beiden Spielen auf die Bank zu setzen. Danach habe er dem Star-Spieler von Al-Nassr gesagt, er werde kommen, wenn er gebraucht werde. Jesus schickte den Star zum Aufwärmen, ins Spiel kam der danach nicht. In einem anderen Bericht hieß es, Portugals Teamchef habe sich in einer Aussprache bei Ronaldo entschuldigt und angekündigt, sich auch öffentlich zu entschuldigen, was dieser aber nicht tat. "Das ist gelogen! Ich entschuldige mich bei niemandem", entgegnete der 72-jährige Trainer.
Nach Ronaldos Abgang hatte Jesus klargemacht, dass auch für den 41-Jährigen das Leistungsprinzip gelte. Die Türe für den Star-Spieler ist in Portugals Team zwar nicht ganz zu, allerdings scheinen die Fronten verhärtet zu sein.
"In Argentinien gibt es Lionel Messi und ringsherum seine Jünger. Die laufen für ihn, weil sie wissen, dass er in entscheidenden Momenten alles für sie macht. Das ist in Portugal nicht mehr so. Da hat sich innerhalb der Mannschaft ein bisschen ein Spalt geöffnet", analysierte Andreas Herzog in seinem Podcast "Herzerl mit Janko". Stars wie Bruno Fernandes und Vitinha seien "nicht mehr so happy" mit dem 41-jährigen Ronaldo als Solospitze.
Er könne Trainer Jesus durchaus verstehen, als Coach müsse er die Entscheidungen treffen. "Aber womit er überhaupt nicht recht hat: Dass man einem Ronaldo etwas sagt und es dann nicht einhält. Das ist ein absolutes No-Go", nahm Herzog Bezug auf die Ankündigung, den fünfmaligen Weltfußballer doch noch gegen Norwegen einzuwechseln, ihn dann lange aufwärmen zu lassen und dann zurück auf die Bank zu schicken.
"Ich bin dabei, dass Ronaldo das eine oder andere Mal nicht mehr spielen kann. Aber die Art der Kommunikation und es dann nicht einzuhalten, das ist natürlich ein Wahnsinn. Man darf nie vergessen, was er für den portugiesischen Fußball gemacht hat", schob der 103-fache ÖFB-Teamspieler hinterher. Gleichzeitig müsse es Ronaldo aber auch "schlucken", in einigen Spielen auch nicht mehr "benötigt" zu werden.
"Man sagt immer: Jeder Spieler ist gleich. Aber so einen Blödsinn habe ich überhaupt noch nicht gehört", wurde Herzog deutlich. "Von der Idee her ist es richtig. Aber einen Messi, Ronaldo, Ibrahimovic, Alaba, Haaland in Norwegen – da geht man doch nicht hin und sagt: Man behandelt die wie den Jungen, den 26. im Kader. Wer so etwas behauptet, war noch nie länger im Fußballgeschäft drinnen", meinte Herzog. Die aktuelle Generation der portugiesischen Fußballer würde den Star-Kicker aber auch nicht so "beschützen", wie es noch vor ein paar Jahren gewesen war.