Brennzlige Lage für die Pferdeklappe in Reutte! Es fehlt es an ausreichend Heu, um alle Tiere durch den Winter zu bekommen. Gleichzeitig steigen die Kosten für das lebenswichtige Futter massiv. Der Österreichische Tierschutzverein schlägt Alarm und bittet dringend um Spenden.
Wie angespannt die Situation ist, zeigt die jüngste Lieferung. "Wir benötigen monatlich mindestens 10 Tonnen Heu, um bis zu 28 Pferde versorgen zu können. Diese Woche haben wir 26 Heuballen mit rund sieben Tonnen von unserem langjährigen Lieferanten erhalten. Doch dafür musste er das Futter aus Ostdeutschland herankarren. Unsere Pferde fressen mittlerweile Heu aus der Region Zwickau in Sachsen", berichtet Nicole Mayrhofer, Leiterin der Pferdeklappe in Reutte.
Dass das Futter mittlerweile aus Deutschland kommen muss, verdeutlicht die angespannte Versorgungslage. Auch langjährige Lieferanten können ihre Stammkunden teilweise nicht mehr ausreichend beliefern. Viele heimische Bauern greifen bereits auf ihre eigenen Wintervorräte zurück oder behalten das Heu für die Versorgung ihrer Tiere.
Neben der schwierigen Beschaffung wird vor allem der Preis zum Problem. "Der Preis pro Heuballen hat sich bei der letzten Lieferung mehr als verdoppelt - von 45 auf 100 Euro", zeigt sich Hofleiterin Mayrhofer besorgt.
Auch die Landwirtschaftskammer Niederösterreich beschreibt die Lage als äußerst angespannt: "Heu aus Österreich ist bei den Händlern nicht mehr verfügbar. Das geringe Angebot stammt ausschließlich aus Importen."
Wie stark die Preise gestiegen sind, zeigen auch die Zahlen der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. In der Kalenderwoche 40/2026 kostete konventionelles Wiesenheu in Großballen bereits rund 400 bis 500 Euro pro Tonne. Zum Vergleich: Laut Statistik Austria lag der durchschnittliche Heupreis im September 2025 noch bei 245,50 Euro netto pro Tonne.
Auslöser der angespannten Situation ist die Rekorddürre im vergangenen Sommer. Sie ließ die Heuernte in Österreich nahezu um die Hälfte schrumpfen. Gleichzeitig ist Heu als Raufutter die Grundlage der täglichen Pferdeernährung und kann nicht einfach durch andere Futtermittel ersetzt werden.
Der Heunotstand trifft nicht nur die Pferdeklappe selbst. Auch private Pferdebesitzer geraten durch die hohen Versorgungskosten zunehmend unter Druck. Immer mehr können sich die Haltung ihrer Tiere nicht mehr leisten und wollen sie abgeben.
Die Folgen sind in Reutte bereits spürbar: Die Warteliste für Neuaufnahmen wächst von Woche zu Woche. Damit steigt der Bedarf an Plätzen für Pferde, deren Besitzer sie nicht mehr versorgen können.
Für die Pferdeklappe wird die Situation damit zu einem doppelten Problem: Einerseits werden dringend Plätze für weitere Tiere benötigt, andererseits ist die Versorgung der bereits aufgenommenen Pferde gefährdet, wenn nicht genügend Heu beschafft werden kann.
"Doch wenn der Heunotstand anhält und die Preise so hoch bleiben, werden wir uns keine weiteren Aufnahmen von in Not geratenen Pferden mehr leisten können. Denn oberste Priorität hat die ausreichende Versorgung der Pferde über den Winter, die bereits bei uns am Hof sind", betont Mayrhofer.
Der Österreichische Tierschutzverein bittet deshalb um Spenden für die sogenannte "Pferdeklappe Heu-Winterhilfe". Damit sollen rechtzeitig ausreichend Futtervorräte finanziert und die Versorgung der Pferde während der Wintermonate sichergestellt werden.