"Ich ging 633 Stufen auf den Dom, so mühsam war es"

"Heute"-Reporterin Claudia Ruzmarinovic in 112 Metern Höhe am Linzer Mariendom.
"Heute"-Reporterin Claudia Ruzmarinovic in 112 Metern Höhe am Linzer Mariendom.Mariendom Linz/privat
"Heute" auf himmlischer Mission: 633 Stufen führen auf den Linzer Mariendom in 112 Metern Höhe. Genau dort, wollten wir hin. Zu Fuß, versteht sich.

Alles für den Ausblick. Alles für die "Heute"-Leser – und ja, ein.. bisschen auch für die Kondi. Als "Heute"-Redakteurin darf man manchmal nicht nur sprichwörtlich hoch hinaus.

In meinem Fall ging's auf 112 Metern Höhe, auf die höchste Aussichtsplattform des Linzer Mariendoms (135 Meter hoch) - die höchstgelegene Aussichtsmöglichkeit einer Kirche in Österreich überhaupt.

Wie man dort rauf kommt? Über eine Stiege. Mit insgesamt 633 Stufen!

Es ist Donnerstag. Außentemperatur: 24 Grad! Gut, es könnte jetzt schlimmer, also heißer, sein. Aber es hilft eh nix, es gibt nur einen Weg. Nämlich den nach ganz oben! Und ganz einfach so gibt's den gigantischen Blick über Linz immerhin auch nicht.

Erste Station: Rudigierorgel

Vor dem Eingang beim Turmportal in der Baumbachstraße wartet bereits Martina Noll vom Team des Linzer Mariendoms auf mich. Mit ihr gemeinsam werde ich es (hoffentlich) ganz nach oben schaffen. Die GoPro filmt alles mit.

Unsere erste Station: die Rudigierhalle benannt nach der Rudigierorgel – die wiederum ihren Namen von Bischof Franz Joseph Rudigier hat, dem Gründungsvater des Mariendoms. 5.890 Pfeifen hat die Rudigierorgel, die größte ist fast 10 Meter hoch. Schon beeindruckend.

Step zwei: die Domglocken

Es geht weiter zum Geläut (den sieben Domglocken) und danach bis zur Eremitenstube auf 65 Metern Höhe. Mehr als die Hälfte der Stufen ist jetzt schon geschafft. 395 Stufen hat es bis dahin, 238 fehlen noch. Die Stube, in der sich sonst Menschen für einige Tage als "Turmeremit"vom Alltagsleben zurückziehen können, ist derzeit unbewohnt und dient als Pausenraum für die Arbeiter im Dom, erzählt mir Martina Noll.

Bis auf einen leichten Drehwurm zwischendrin war's bis jetzt eigentlich ein Spaziergang. Der eigentlich anstrengende Teil scheint jetzt erst langsam zu kommen, denke ich mir – und behalte recht.

3. Station: Endstation

"Dann geh'n mas an", sagt Martina Noll und steigt vor mir die ersten Stufen der neuen Innenstiege, der "Himmelsstiege" empor. Da die ursprünglichen, für Wartungszwecke notwendigen Holzleitern – noch aus der Zeit der Turmerrichtung im Jahr 1902 – nicht mehr den statischen Anforderungen und Sicherheitsvorschriften entsprochen hatten, wurde im Zuge der aktuellen Turmhelmsanierung auch ein neuer Treppenturm aus Stahl errichtet. 45 Tonnen Stahlkonstruktion wurden dabei verbaut. Die Innenstiege führt bis zum obersten Steinbalkon des Doms in 112 Metern Höhe. Mein Endziel!

Blick aus 112 Metern erstmal nur für Turmpaten

Die spektakuläre 360 Rundumsicht auf Linz erleben heuer exklusiv die Turmpaten des Mariendoms, ab einer Patenschaft von 200 Euro. Ab 2021 wird die neue Höhenführung allgemein buchbar sein. Infos auf turmpate.at

Die Turmhelmsanierung soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Bis dahin pausieren derzeit sowohl das Projekt Turmeremit als auch das Mittagsgebet. Ein Neustart ist für Dezember 2021 geplant.

Auf dem Weg nach oben kommen uns immer wieder Arbeiter auf der doch etwas engen Treppe entgegen. "Langsam wird's heiß". Na, endlich, wurde auch Zeit, denke ich mir selbstironisch, während ich den Satz zu Martina Noll nach oben rufe. Sie stimmt zu. Nur noch ein paar Stufen, dann sind wir da. Jetzt aber!

"Jetzt hab' ich ein bisschen einen Drehschwindel."

Oben angekommen, ist mir auch im Video die Erleichterung anzuhören. Ich lache, sage: "Jetzt hab' ich ein bisschen einen Drehschwindel." Egal, der Ausblick entschädigt für alles.

Trotz Gerüst und jede Menge Kabelwerk an der Außenfassade des Steinbalkons ist der Blick (360 Grad Rundumsicht) über Linz einfach herrlich. Auch auf den Ötscher und den Traunstein im Salzkammergut sieht man gut hin, erklärt Martina Noll.

Ich genieße die Aussicht, während der Wind mir das Haar zerzaust. Gemeinsam stellen wir fest: "so schlimm", also arg hoch, ist es auf 112 Metern Höhe gar nicht, wobei ja jetzt noch das sichere Gerüst da ist. 

Ein kurzer Blick in die Kamera um festzuhalten, dass ich es bis nach oben geschafft habe (die Kollegen glauben's sonst vielleicht nicht) und dann geht's auch schon wieder nach unten – zwar mit kleinen Pausen, denn das Runtergehen und dabei runterschauen auf der Wendeltreppe macht erneut ganz schön schwindelig. "Aber wer rauf muss, muss eben auch wieder runter", denke ich mir und nehme vorsichtig Stufe für Stufe. 

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