Weit im Norden, zwischen Norwegen und dem Nordpol, liegt eine einzigartige Anlage: Der Svalbard Global Seed Vault. In diesem Bunker werden Pflanzensamen aus der ganzen Welt aufbewahrt – eine radikale Versicherungspolizze für die Zukunft der Menschheit.
Der Standort auf Spitzbergen wurde nicht zufällig gewählt. Die Insel bietet geologische Stabilität ohne Erdbebengefahr, liegt fernab von Konfliktherden und verfügt über natürliche Kühlung durch den Permafrost.
Wie esquire.de berichtet, herrschen in den drei großen Lagerhallen konstant minus 18 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur wird der Stoffwechsel der Samen so stark verlangsamt, dass sie Jahrzehnte oder sogar Jahrtausende keimfähig bleiben.
Die unterschiedlichen Samen haben verschiedene Haltbarkeiten. Während eine Sonnenblume nach etwa 55 Jahren nicht mehr keimen kann, könnten Erbsen theoretisch bis zu 10.000 Jahre überdauern. Selbst bei totalem Stromausfall würde der Permafrost die Temperatur nicht über minus drei Grad steigen lassen.
Doch ausgerechnet der Klimawandel, vor dessen Folgen der Tresor schützen soll, wurde 2017 zum Problem. Nach einem ungewöhnlich warmen Herbst taute der Permafrost an der Oberfläche auf. Schmelzwasser drang in den Eingangstunnel ein – die Saatgutkammern selbst blieben aber verschont.
Die norwegische Regierung reagierte und investierte über 13 Millionen US-Dollar in Sicherheits-Upgrades. Der Tunnel wurde wasserdicht verstärkt und ein neues Servicegebäude für die Notstromversorgung errichtet.
Gegen einen möglichen Anstieg des Meeresspiegels ist die Anlage gewappnet: Sie liegt 130 Meter über dem aktuellen Meeresspiegel und wäre selbst bei extremem Anstieg des Ozeans sicher vor Fluten.