Sonne, Meer und endlose Sandstrände - genau das lockt jedes Jahr Millionen Urlauber nach Italien und Spanien. Doch diese Idylle ist massiv bedroht. Experten beider Urlaubsländer schlagen Alarm: Die Küsten erodieren zunehmend, ganze Strandabschnitte könnten verschwinden.
Besonders dramatisch ist die Lage in Italien. Mehr als 8.000 Kilometer Küste zählen zum Land - doch ein großer Teil ist gefährdet. Eine Studie der Universität Rom La Sapienza zeigt: Bis 2050 könnten rund 20 Prozent der Strände verloren gehen, bis 2100 sogar fast die Hälfte. Besonders gefährdet sind demnach die Regionen Sardinien, Kampanien, Latium und Apulien.
Gründe der Erosion sind steigende Temperaturen, der Meeresspiegelanstieg und immer häufiger auftretendes Extremwetter. Forscher warnen: Gerade flache Sandstrände sind besonders anfällig - doch gerade diese sind enorm wichtig für Umwelt, Tourismus und Wirtschaft.
Ein Beispiel für die Folgen: In Apulien stürzte nach heftigen Unwettern heuer die berühmte Felsformation "Liebesbogen" ins Meer. Gleichzeitig verlor die Region in nur 14 Jahren rund 31 Kilometer Küstenlinie.
Die Behörden versuchen, gegenzusteuern. Dämme, Unterwasserbarrieren und künstliche Riffe sollen Wellen bremsen und Sand halten. In Regionen wie Emilia-Romagna und Apulien werden Millionen Euro investiert, um Strände zu sichern und Dünen wieder aufzubauen.
Doch viele Maßnahmen sind umstritten. Experten warnen, dass feste Bauwerke zwar lokal helfen, aber anderswo neue Probleme schaffen. Sie blockieren den natürlichen Sandtransport - benachbarte Strände könnten dadurch noch schneller verschwinden.
Auch in Spanien ist die Situation angespannt. Vor allem in Katalonien frisst sich das Meer immer weiter ins Land. Sogar eine historische Bahnstrecke von Barcelona in die Stadt Mataro ist bedroht. Greenpeace warnt: Schon in wenigen Jahren könnten erste Strände komplett verloren gehen.
Die übliche Methode, tonnenweise Sand aufzuschütten, der von den nächsten Winterstürmen wieder weggespült wird, oder Pflastersteine auf Promenaden auszutauschen, sei keine langfristige Lösung, sagen Forscher.
Neue Ansätze im Kampf gegen die fortschreitende Erosion setzen auf natürliche Lösungen: Dünen werden wieder aufgebaut, Sand gezielt aufgeschüttet und mit Drohnen überwacht. In manchen Orten wird sogar über den Rückbau von Promenaden nachgedacht.
Fakt ist: Der Kampf gegen die Erosion läuft - doch ob Europas Traumstrände zu retten sind, ist längst offen.