Drei mächtige Wohntürme, Grünflächen, Schwimmbäder auf den Dächern und Tausende Bewohner: Der Wohnpark Alt-Erlaa in Liesing gehört zu den bekanntesten Wohnanlagen Wiens. Zum 50-Jahr-Jubiläum widmet Journalistin und Autorin Uschi Korda dem außergewöhnlichen Wohnprojekt nun ein eigenes Buch.
"Glücklich wohnen – Wiener Alltag im Wohnpark Alt-Erlaa" (30 Euro) erscheint am 24. September im Molden Verlag. Auf 192 Seiten geht Korda der Frage nach, warum die von Architekt Harry Glück konzipierte Anlage bis heute eine außergewöhnlich hohe Wohnzufriedenheit erreicht. Rund 9.000 Menschen leben dort, die Zufriedenheit liegt regelmäßig bei durchschnittlich 97 Prozent.
Einer der prominenten ehemaligen Bewohner kommt im Buch ausführlich zu Wort: Thomas Brezina (63). Der erfolgreiche Autor kannte die markanten Wohntürme schon aus seiner Jugend. Zum Teil in Mauer aufgewachsen, beobachtete er, wie der Wohnpark in seiner Nähe entstand. "Ich habe Alt-Erlaa immer schön gefunden. Die drei Türme haben so etwas Aufstrebendes", erzählt Brezina im Buch.
Nach der Matura zog es ihn zunächst von Mauer in den dritten Bezirk. Doch mit dem Leben mitten in der Stadt wurde Brezina nicht glücklich. Er war Helligkeit und viel Grün gewohnt, in seiner neuen Umgebung empfand er es dagegen als finster und eng, der Blick ging auf Hausmauern.
1985 zog Brezina schließlich in den damals gerade fertiggestellten C-Block des Wohnparks Alt-Erlaa. Hoch oben über Wien fand er offenbar genau das, was ihm zuvor gefehlt hatte: Von seiner Wohnung blickte er auf die Stadt hinunter, rundherum waren Natur und Grün. Die Loggia vermittelte ihm gleichzeitig Geborgenheit und Freiheit.
Vier Jahre blieb Brezina in Alt-Erlaa – und diese Zeit sollte auch für seine Karriere eine besondere Bedeutung bekommen. Vor allem die Schwimmbäder des Wohnparks passten perfekt zu seinem Arbeitsrhythmus. Früh am Morgen zog Brezina entweder auf dem Dach oder in den Hallenbädern seine Runden. Dabei entstanden seine Ideen. War eine Geschichte in seinem Kopf weit genug entwickelt, ging es mit dem Lift zurück in die Wohnung und direkt an den Schreibtisch.
Genau auf diese Weise entstand auch "Das Rätsel um das Schneemonster", das erste Buch der Knickerbocker-Bande. Es wurde zum Durchbruch für Brezina als Schriftsteller. Doch nicht nur Schwimmbad und Aussicht hatten es Brezina angetan.
Besonders schätzte er das Gesamtkonzept der Anlage. "Vor allem aber fielen die Lästigkeiten des Alltags weg", erinnert er sich. Parkgarage, Geschäfte und öffentliche Verkehrsmittel waren vorhanden, die Liesing floss in unmittelbarer Nähe vorbei. Gleichzeitig kümmerten sich Menschen darum, dass die Anlage funktionierte und gepflegt blieb. "Das stimmt die Menschen friedlich und nimmt den Stress", sagt Brezina.
Auch die Architektur entsprach ihm. Das Exakte und Geradlinige sei nicht unbedingt seines gewesen. Die teilweise ungewöhnlichen Winkel der Zimmerwände kamen seinem persönlichen Wohngefühl deshalb durchaus entgegen. Dass Brezina Alt-Erlaa nach vier Jahren wieder verließ, lag offenbar nicht am Wohnpark. Sein Vater schenkte ihm ein Haus in Mauer – und der Autor zog aus.
An die Umstellung musste er sich allerdings erst gewöhnen. Denn in Alt-Erlaa hatte er eine Ruhe erlebt, die selbst ein eigenes Haus zunächst nicht bieten konnte. "Ich habe da oben im Wohnturm wie in einem Elfenbeinturm in völliger Stille gelebt", erzählt Brezina im Buch. Selbst an die Geräusche gelegentlich vorbeifahrender Autos musste er sich danach erst wieder gewöhnen.
Brezinas Erinnerungen sind nur eine von vielen Geschichten in "Glücklich wohnen". Autorin Uschi Korda hat für das Buch langjährige Bewohner ebenso getroffen wie neu Zugezogene, Menschen, die im Wohnpark geboren wurden, und Rückkehrer. Auch Hausbetreuer kommen zu Wort und geben Einblicke in die Technik hinter der riesigen Anlage sowie in Zukunftspläne.
Zum 50-jährigen Jubiläum der Wohnanlage gibt es aber nicht nur ein Buch: Am Freitag (11.9.) findet ab 11.30 Uhr im Kaufpark Alt-Erlaa auch ein Festakt mit Bürgermeister Michael Ludwig, Wohnbau-Stadträtin Elke Hanel-Torsch, dem Liesinger Bezirksvorsteher Gerald Bischof (alle SPÖ) sowie den AEAG-Vorständen Paul Steurer und Roland Böhm statt.