Viele Jahre waren Robert Kratky und Gabi Hiller Kollegen bei Ö3. Drei Jahre lang wecken sie sogar gemeinsam im Ö3-Wecker das ganze Land. Dass der langjährige Radiostar irgendwann aussteigen könnte, überraschte sie nicht. Sie wusste bereits, wie es Kratky geht.
"Man weiß, da liegt was in der Luft, aber man weiß den genauen Zeitpunkt nicht", sagt Hiller bei "Hinter den Schlagzeilen". "Da kann man schon mal eins und eins zusammenzählen. Wie lange kann man denn noch mit 300 km/h auf der Autobahn fahren, bis der Tank leer ist?"
Als Kratky seinen Abschied bekannt gab, war Hiller gerade im Urlaub. Sie erfuhr es an ihrem 40. Geburtstag. Noch am selben Nachmittag telefonierten die beiden. "Ich habe ihm gratuliert – das klingt jetzt komischer, als es ist“, erzählt sie. Denn für Hiller war klar: Kratky hatte für sich das Richtige getan. "Dass man endlich die richtige Entscheidung trifft und sagt: Okay, ich kann jetzt nicht mehr weiter, ich muss mich aus dem Spiel nehmen - das ist doch gut."
Den ständigen Druck im Job, immer präsent sein und funktionieren zu müssen – das will Hiller nicht schönreden. "Das ist ja nicht gesund." Auch sie selbst versucht deshalb, bewusst gegenzusteuern: Mit einem gesunden Lebensstil und so viel Schlaf wie möglich, um gar nicht erst in diese gefährliche Spirale zu geraten.
Mehr als ein Jahr ist inzwischen vergangen, seit Kratky das Ö3-Studio hinter sich gelassen hat. Für Hiller ist damit aber nicht einfach nur ein ehemaliger Kollege gegangen. Kratky war für sie auch Mentor. "Bleib bei dir selbst und verbieg dich nicht und trau dich auch was", gab er ihr mit. Sein Credo hat sie ebenfalls behalten: "Besser im Nachhinein um Verzeihung bitten als im Vorhinein um Erlaubnis bitten."