Seit Freitag sorgen manipulierte Gläser beim Babynahrungs-Hersteller HiPP für Aufsehen. In Österreich ist laut Behördenangaben nur die Handelskette Spar betroffen. Im Fokus steht eine Filiale in Eisenstadt. Ein mit Rattengift versetztes Glas der Sorte "Karotten mit Kartoffeln" (190 Gramm), das dort verkauft wurde, konnte sichergestellt werden.
Doch wie kamen die Ermittler so rasch auf die Spur im Burgenland? Und warum sollen angeblich nur Spar-Filialen betroffen sein? Dazu gibt eine neue Information aus dem Nachbarland Tschechien Aufschluss.
Denn wie die Staatsanwaltschaft Brünn bekanntgab, wurden am Freitag zwei kontaminierte Gläser in einer Tesco-Filiale in Brünn, der zweitgrößten Stadt Tschechiens, beschlagnahmt. Auch diese waren mit einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden markiert.
Dass die Ermittler so schnell fündig wurden, hat einen einfachen Grund. Der oder die Täter haben in ihrem Erpressungsmail die betroffene Filiale konkret genannt. Tesco hat daraufhin HiPP-Gläser sicherheitshalber aus all seinen Filialen in Tschechien entfernt.
„Angesichts der von HiPP selbst veröffentlichten Informationen kann ich bestätigen, dass die Polizei, wie bereits in der E-Mail des Täters angekündigt, zwei Gläser mit kontaminierter Babynahrung in einem bestimmten Geschäft in Brünn gefunden hat. (...) Die Untersuchung der Gläser dauert an, wir werden keine weiteren Informationen veröffentlichen“Petr LužnýSprecher der Staatsanwaltschaft Brünn
Ähnlich dürfte es auch in der Slowakei zugegangen sein. Denn dort gaben die Behörden bekannt, dass "ein bestimmtes Geschäft" in der Kleinstadt Dunajská Streda betroffen ist. Sämtliche Hipp-Gläser wurden daraufhin in Kooperation mit der Lebensmittelbehörde aus dem Sortiment entfernt, berichten slowakische Medien. Der Name des Geschäfts oder der Handelskette wurde nicht genannt.
Während in Tschechien und der Slowakei also scheinbar rechtzeitig reagiert wurde, war in Österreich zu diesem Zeitpunkt bereits ein vergiftetes Glas verkauft wurden. Es landete bei einer Familie im burgenländischen Schützen am Gebirge, das jedoch aufgrund des verdorbenen Geruchs vom Verzehr absah – und die Behörden informierte. "Eine Probe des beschlagnahmten Produkts wurde am Samstagnachmittag untersucht, und Tests bestätigten das Vorhandensein von Rattengift", gaben die Ermittler im Burgenland bekannt.
Dass man zu spät aktiv wurde liegt möglicherweise auch daran, dass das Erpresser-Mail vom 27. März bei HiPP in Deutschland zunächst im Spam-Ordner landete, wie "Die Presse" berichtet. Darin wurden zwei Millionen Euro bis zum 2. April gefordert. Gelesen wurde das Mail jedoch erst am 16. April – da waren die Gläser bereits im Umlauf.