Ski-Gigant ganz persönlich

Hirscher packt aus: "Ganze Klasse lachte mich aus"

Marcel Hirscher spricht so offen wie selten über seine großen Ziele. Dabei verrät der Ski-Held, warum ihn einst seine ganze Schulklasse auslachte.
Sport Heute
01.10.2026, 07:04
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Achtmal Gesamtweltcup-Sieger, zweimal Olympiasieger und siebenmal Weltmeister: Marcel Hirscher hat im Skisport fast alles erreicht, was es zu gewinnen gibt. Doch lange bevor er zum erfolgreichsten österreichischen Skifahrer seiner Generation wurde, sorgten seine großen Pläne noch für Gelächter.

In einer persönlichen Kolumne für Red Bull erzählt Hirscher jetzt im "Red Bulletin", was ihn der Skisport über Ziele, Druck und das Scheitern gelehrt hat. Dabei gibt der Salzburger ungewöhnlich private Einblicke in seine Kindheit und Jugend.

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Besonders eine Erinnerung aus seiner Schulzeit hat sich bei Hirscher eingebrannt.

"Die ganze Klasse lachte"

Im letzten Schuljahr mussten die Schüler die Frage beantworten: "Was will ich einmal werden?" Während seine Mitschüler klassische Berufe nannten, hatte Hirscher eine ganz andere Antwort.

"Ich will einmal Weltmeister und Olympiasieger werden", verkündete er. Die Reaktion? "Die ganze Klasse lachte", erinnert sich Hirscher.

Ausgerechnet dieser Moment sollte ihn prägen. Hirscher zog daraus eine Lektion, an die er sich nach eigenen Angaben bis heute hält: "Show, don't tell."

Denn wer seine größten Ziele öffentlich ausspricht, macht sich angreifbar. Wünsche und Sehnsüchte werden plötzlich zu Erwartungen, an denen man gemessen wird. Genau deshalb würden Sportler vor Rennen auf Fragen nach ihren Zielen oft ausweichend antworten.

Erwartungshaltung und Haltungsprobleme

"Erwartungshaltung führt zu Haltungsproblemen", bringt es Hirscher auf den Punkt.

Dabei begann sein Ehrgeiz schon viel früher. Hirscher wuchs zeitweise auf der Stuhlalm auf, wo seine Eltern als Hüttenwirte arbeiteten. Einen Satz habe er dort glücklicherweise nie gehört: "Das kannst du nicht."

Stattdessen hieß es: "Probier's!"

Eine Geschichte aus dieser Zeit zeigt, wie sehr ihn dieser Zugang geprägt hat. Als Fünfjähriger stürzte Hirscher schmerzhaft über einen Felsbrocken, der im Almboden steckte. Statt sich damit abzufinden, setzte sich der Bub ein Ziel: Der Stein musste weg.

Drei Kilometer hin und her

Einen ganzen Tag lang grub er. Erst in der Dämmerung konnte er den Brocken schließlich aus seinem Loch rollen. "Ziel gesetzt, Ziel erreicht, Problem gelöst", erinnert sich der Ski-Star.

Auch ein anderes Kindheitserlebnis klingt heute fast unglaublich. Sein Vater spannte bei der Hütte ein altes Liftseil zum Balancieren. Hirscher wollte wissen, wie weit er darauf gehen konnte.

Das Ergebnis: drei Kilometer am Stück hin und her, ohne abzusteigen.

"Gut genug"

Doch statt den persönlichen Rekord immer weiter auszubauen, war für ihn Schluss. "Gut genug", befand Hirscher. Für ihn steckt darin eine weitere Erkenntnis: Ziele können ihre Strahlkraft verlieren, sobald sie erreicht sind.

Heute betrachtet der 37-Jährige Ziele deshalb differenzierter. Große Vorhaben sollen antreiben, aber nicht lähmen. Entscheidend sei auch, ob ein Ziel tatsächlich das eigene ist und nicht bloß von außen vorgegeben wird.

Drei Dinge habe ihn der Skisport dabei gelehrt: nicht alles zu zerdenken, regelmäßig den Blick auf den bisherigen Weg und das große Ziel zu richten und seine wichtigsten Vorhaben nur mit Menschen zu teilen, denen er vertraut.

Seine wirklich großen Ziele posaunt Hirscher deshalb nicht zuerst in die Öffentlichkeit hinaus. Er bespricht sie lieber im engsten Kreis.

Das klingt angesichts seiner Schulgeschichte nur konsequent. Damals wurde über seinen Traum von WM-Gold und Olympia-Siegen noch gelacht.

red,01.10.2026, 07:04