Der nächste Schritt nach dem großen Eishockey-Frieden ist gesetzt. Nur wenige Wochen nachdem sich der Österreichische Eishockeyverband, die Nationalspielerinnen und die younion-Sportgewerkschaft auf neue Rahmenbedingungen geeinigt und damit einen möglichen WM-Streik abgewendet haben, präsentiert der ÖEHV Gina Kingsbury als neue General Managerin des Frauen-Nationalteams.
Die 44-jährige Kanadierin übernimmt vorerst bis zur A-WM in Dänemark, die von 6. bis 16. November stattfindet. Für Österreich ist es die erste Teilnahme an der Top-Division einer Frauen-Weltmeisterschaft. Kingsbury soll darüber hinaus auch bei weiteren Bewerben beratend zur Verfügung stehen. Beim Lehrgang von 1. bis 4. Oktober in Klagenfurt trifft sie die Spielerinnen erstmals persönlich, nachdem es zuvor bereits eine ausführliche Videokonferenz gegeben hatte.
Der Name Kingsbury steht im Frauen-Eishockey für außergewöhnliche Erfolge. Als Spielerin gewann sie mit Kanada olympisches Gold, danach arbeitete sie acht Jahre lang als General Managerin des kanadischen Frauen-Nationalteams. In dieser Funktion holte Kanada unter anderem Olympia-Gold 2022 sowie die WM-Titel 2021, 2022 und 2024. Seit 2023 ist Kingsbury außerdem General Managerin der Toronto Sceptres in der nordamerikanischen Profiliga PWHL.
Zusätzlich konnte der ÖEHV mit Melody Davidson eine weitere prominente Expertin gewinnen. Die Kanadierin war an vier aufeinanderfolgenden Olympia-Goldmedaillen ihres Landes beteiligt und wird Österreich bei der WM in Dänemark in beratender Funktion begleiten. Beim Lehrgang in Klagenfurt soll zunächst der Spielerinnen-Pool ausführlich evaluiert werden, danach fallen die Entscheidungen über WM-Kader und Staff.
Die Personalentscheidungen folgen auf turbulente Monate rund um das Nationalteam. Bereits im März hatten Spielerinnen dem Verband einen Katalog mit neun Forderungen übermittelt. Dabei ging es unter anderem um Vergütung, Betreuung, Unterbringung, Organisation und Kommunikation. Weil aus Sicht der Spielerinnen konkrete Zusagen zu lange ausblieben, verzichteten elf Nationalspielerinnen – darunter Kapitänin Anna Meixner – zwischenzeitlich auf einen Lehrgang in der Slowakei. Auch ein Boykott der A-WM stand im Raum.
Anfang September gelang schließlich die Einigung. Vereinbart wurden Verbesserungen bei Betreuung, Unterbringung, Organisation und Kommunikation sowie ein neues Vergütungs- und Entschädigungsmodell, das ab 2027 für Frauen-, Männer- und Para-Nationalteams gelten soll. Meixner erklärte damals, die Mannschaft könne sich dadurch wieder voll auf den Sport und den historischen WM-Auftritt konzentrieren.
Nun soll auch sportlich Ruhe und neue Struktur einkehren. ÖEHV-Vizepräsidentin Yasmin Stepina sieht die Verpflichtung von Kingsbury und Davidson als Signal für die weitere Entwicklung des Frauenbereichs. Kingsbury selbst spricht von einer "großartigen Gelegenheit" und davon, Österreich dabei helfen zu wollen, bei seiner ersten A-WM mit Selbstvertrauen aufzutreten. Nach dem öffentlichen Streit der vergangenen Monate beginnt für das Frauen-Nationalteam damit unmittelbar vor seinem bisher größten Turnier ein neues Kapitel.