Am Freitagabend ging das historische Kehlsteinhaus bei Berchtesgaden in Flammen auf. Als die Einsatzkräfte gegen 21.52 Uhr vor Ort eintrafen, stellte sich schnell heraus, dass es sich um einen Großbrand handelte. Noch am Samstagvormittag war man mit den Löscharbeiten beschäftigt.
Inzwischen ist von dem Gebäude nur mehr eine Ruine vorhanden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur, dass man das Kehlsteinhaus wieder aufbauen wolle. "Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können", wird der Politiker zitiert.
Mittlerweile wurde auch ein Biker festgenommen. Der Mann, der aus der Region stammen soll, steht im Verdacht das Feuer gelegt zu haben. Er wurde von den Einsatzkräften dabei beobachtet, wie er sich auf seinem Motorrad vom Brandgeschehen entfernen wollte. Aktuell soll sich der Tatverdächtige im Krankenhaus befinden.
Innenminister Herrmann möchte im Zuge einer Pressekonferenz weitere Einzelheiten zum Vorfall erläutern. Der Termin ist für den Samstagnachmittag angesetzt.
Das Kehlsteinhaus wurde während der NS-Zeit errichtet und 1938 fertiggestellt. Es gehörte zu einem damals abgeschirmten Bereich am Obersalzberg, der von der nationalsozialistischen Führung genutzt wurde.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden beschreibt die ursprüngliche Funktion des Gebäudes so: "Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering."
NS-Diktator Adolf Hitler empfing dort Diplomaten und Gäste. Jedoch nutzten das Haus auch andere Mitglieder der NS-Führung zur Erholung und für private Feiern. Seit 1952 wird das Kehlsteinhaus als Berggaststätte betrieben. Bekannt ist es auch unter dem englischen Namen "Eagle's Nest". Eine Ausstellung im Gebäude beschäftigt sich mit seiner Geschichte während der NS-Zeit.
Die Lage auf 1.834 Metern Höhe erschwerte die Löscharbeiten des historischen Gebäudes. Feuerwehrfahrzeuge konnten nur schwer zum Haus gelangen. Auch der Einsatz mit Atemschutzausrüstung stellte eine Herausforderung dar.