Jetzt warnt Arbeiterkammer

Hitze im Job – Ab 30 Grad steigt das Unfallrisiko!

Eine neue Studie zeigt, wie gefährlich Hitze im Job werden kann. Die AK fordert nun klare Grenzen, mehr Kontrollen und besseren Schutz in Innenräumen.
Wien Heute
09.06.2026, 13:10
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Der Klimawandel macht extreme Hitze immer öfter zum Problem am Arbeitsplatz. Allein in Wien wurde 2025 an sechs Tagen die 36-Grad-Marke überschritten, 2024 gab es 52 Tage mit mehr als 30 Grad.

Hautkrebs als Berufskrankheit

Für viele Arbeitnehmer gibt es bei Hitze kein Ausweichen. Besonders betroffen sind Menschen, die im Freien arbeiten. Laut AK sind das in Österreich rund 400.000 Arbeitnehmer. Eine neue Studie der MedUni Wien im Auftrag der AK soll nun erstmals eine Planungsgrundlage für Hitzeschutzmaßnahmen in Betrieben liefern.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Die Zahlen sind deutlich: Ab 30 Grad steigt das Unfallrisiko um sieben Prozent. Im ersten Jahr nach der Anerkennung als Berufskrankheit wurden bereits 51 Fälle von weißem Hautkrebs gemeldet.

AK fordert gesetzlich verankertes "Hitzefrei"

"Die neue Hitzeschutzverordnung ist ein wichtiger Erfolg, für den wir uns lange eingesetzt haben. Aber wir dürfen hier nicht stehen bleiben", sagt Ines Stilling, Bereichsleiterin Soziales an der AK Wien. Die AK fordert ein gesetzlich verankertes "Hitzefrei", gestaffelt nach körperlicher Belastung, sowie bezahlte Entwärmungspausen. Auch für Innenräume soll es verbindliche Grenzen geben.

"Es darf nicht sein, dass Menschen bei der Arbeit krank werden, weil verbindliche Stopp-Grenzen fehlen", so Stilling. Betriebe müssten verpflichtet werden, medizinische Erkenntnisse umzusetzen. Zusätzlich brauche es systematische Kontrollen der Arbeitsinspektion.

Temperatur allein reicht nicht

Die MedUni-Studie warnt davor, Hitzeschutz nur vom Thermometer abhängig zu machen. Entscheidend seien auch Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Kleidung und die konkrete Arbeitsschwere. "Die Temperatur allein sagt uns zu wenig aus. Ob Hitze zur Gesundheitsgefahr wird, hängt auch maßgeblich von Luftfeuchtigkeit, Strahlungswärme bzw. Sonneneinstrahlung und vor allem von der konkreten Arbeitsschwere ab", erklärt Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien.

Die Folgen können massiv sein. Neben akuten Problemen wie Hitzekrämpfen, Hitzeerschöpfung, Kreislaufkollaps oder Hitzschlag nennt die Studie auch mögliche Langzeitfolgen. Dazu zählen Nierenschäden, verminderte Fortpflanzungsfähigkeit, ein erhöhtes Krebsrisiko und höhere Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Auch die geistige Leistungsfähigkeit leidet. "Bereits ab 27 Grad nimmt die geistige Leistungsfähigkeit messbar ab, Fehler häufen sich", so Hutter.

Nur noch 15 Minuten Arbeit möglich

Die Studie basiert auf mehr als 17.000 Einzelberechnungen. Sie verknüpft Hitzewarnungen der GeoSphere Austria mit der konkreten Arbeitsschwere. Damit soll besser berechnet werden können, wie lange eine Tätigkeit bei Hitze noch sicher möglich ist und wie lange Pausen dauern müssen.

Besonders drastisch sind die Werte bei schwerer körperlicher Arbeit. Bei starker Hitzebelastung mit mehr als 40 Grad gefühlter Temperatur kann die maximal mögliche Arbeitszeit unter freiem Himmel laut Studie auf nur 15 bis 20 Minuten am Stück sinken.

AK: "Papier kühlt nicht"

"Hitze trifft den Körper dort, wo er am stärksten gefordert wird - bei der Muskelkraft ebenso wie bei der Gehirnarbeit", sagt Hutter. Wenn keine Pausen angeordnet werden, würden gesundheitliche Schäden fahrlässig in Kauf genommen.

Die AK fordert nun klare gesetzliche Belastungsgrenzen für "Hitzefrei", eine Indoor-Regelung für Arbeitsräume, verpflichtende wissenschaftliche Mess- und Bewertungsinstrumente sowie bessere Hautkrebsprävention und mehr Kontrollen. "Die Hitzeschutzverordnung ab 2026 ist ein erster Meilenstein, aber Papier kühlt nicht", betont Stilling. Die Gesundheit an extremen Hitzetagen dürfe keine reine Ermessenssache der Betriebe sein.

{title && {title} } red, {title && {title} } 09.06.2026, 13:10
Jetzt E-Paper lesen