Rechtliche Schritte

Hofreitschule unter Druck – 1 Million Euro abgezweigt

Zwei ehemalige Mitarbeiter sollen über Jahre hinweg fast 1,2 Millionen Euro abgezweigt haben – ein Teil des Geldes soll nach Südafrika geflossen sein.
Wien Heute
15.05.2026, 09:53
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Bei der traditionsreichen Spanische Hofreitschule sorgt ein mutmaßlicher Millionen-Skandal für Aufsehen: Wie der "Standard" zuerst berichtete, sollen zwei ehemalige Mitarbeiter über Jahre hinweg hohe Geldsummen von den Konten der Institution abgezweigt haben. Die neue Führung spricht bereits von rechtlichen Schritten.

Demnach sollen die beiden Verdächtigen in den Jahren 2024 und 2025 wiederholt Beträge zwischen 30.000 und 70.000 Euro abgehoben haben. Offiziell hieß es offenbar, das Geld werde auf ein weiteres Konto der Hofreitschule transferiert. Tatsächlich sollen die Summen jedoch für private Zwecke verwendet worden sein – unter anderem für Angehörige sowie einen Bekannten in Südafrika.

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Interne Kontrollen zeigten Unregelmäßigkeiten

Insgesamt geht es laut den Vorwürfen um rund 970.000 Euro. Zusätzlich sollen weitere 250.000 Euro aus einem Tresor verschwunden sein. Die beiden Beschuldigten, die laut Informationen aus dem Finanzbereich des Unternehmens stammen sollen, arbeiten inzwischen nicht mehr für die Hofreitschule.

Aufgedeckt wurden die Unregelmäßigkeiten offenbar erst bei internen Kontrollen. Gegenüber "Wien heute" erklärte die Hofreitschule, bei der Überprüfung der Finanzgebarung seien Auffälligkeiten entdeckt worden. Die neue Geschäftsführung kündigte daraufhin eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien an. Gleichzeitig werde untersucht, "an welchen Stellen interne Kontroll- und Sicherungsmechanismen weiter gestärkt werden müssen".

Schadenersatzansprüche werden geprüft

Auch mögliche Schadenersatzforderungen gegen den früheren Geschäftsführer Alfred Hudler stehen im Raum. Hudlers Anwalt Norbert Wess weist sämtliche Vorwürfe entschieden zurück. Hudler sei "völlig aus allen Wolken gefallen, dass derartige Vorwürfe jetzt aufgetaucht sind", sagte Wess. "Und was ihn noch mehr erschüttert, ist, wenn man ihm persönlich dafür einen Vorwurf macht. Er hört das zum ersten Mal."

Der Anwalt betonte außerdem, Hudler habe keinen Vorteil davon gehabt, mögliche Unregelmäßigkeiten zu decken. "Es gibt keinerlei Belege dazu. Es ist ja auch bezeichnend: Es gibt ja jedes Jahr einen Jahresabschluss, ein Wirtschaftsprüfer, der diesen Jahresabschluss bestätigt. Also niemandem ist das aufgefallen."

"Vergangenheit aufarbeiten"

Für die Hofreitschule ist die Affäre die nächste schwere Belastung. Hudler war erst Ende 2022 an die Spitze der Institution gekommen, wurde jedoch im September 2025 wegen "gravierender Verfehlungen" vom Aufsichtsrat abberufen. Dabei ging es unter anderem um umstrittene Spesen- und Reisekostenabrechnungen. Die entsprechenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien wurden mittlerweile eingestellt, weil ein strafbares Verhalten "nicht erweislich" gewesen sei.

Die neue Geschäftsführerin Alexandra Kaszay kündigte nun eine umfassende Aufarbeitung an. Nach Jahren voller Turbulenzen wolle man die Hofreitschule wieder auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren: die Pflege der Lipizzaner und den Erhalt der klassischen Reitkunst. "Dazu muss jetzt auch die Vergangenheit restlos aufgearbeitet werden", erklärte Kaszay.

{title && {title} } red, {title && {title} } 15.05.2026, 09:53
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