Horner und Marko arbeiteten einst Seite an Seite bei Red Bull Racing in der Formel 1 – Horner als Teamchef und Marko als Motorsport-Berater, damit als Schnittstelle zum Energydrink-Imperium. Beide führten das Team in die Formel 1 und mussten letztes Jahr gehen. Horner war im Juli nach anhaltender sportlicher Talfahrt entlassen worden, er hatte zuvor den teaminternen Machtkampf mit Marko, Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und dem Verstappen-Lager verloren, während über allem die anhaltenden Vorwürfe einer engen Mitarbeiterin schwebten. Marko verabschiedete sich dann mit Jahresende – freiwillig oder nicht – in die Pension.
Auffällig war, dass nach dem Ableben von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz im Oktober 2022 ein Machtkampf entstand. Horner war unterstellt worden, die Kontrolle im Team an sich reißen zu wollen. Über all das schreibt Horner in seinem Buch "Drive", das am Todestag von Mateschitz am 22. Oktober erscheint. Und er sprach im Vorfeld im Podcast "Up to Speed" aus dem Nähkästchen.
Unter anderem über den geplanten Einstieg von Porsche als Red-Bull-Motorenbauer. Zur Erinnerung: Der Rennstall setzte zunächst erfolgreich auf Honda-Motoren. Die Japaner entschieden sich aber dazu, sich zurückzuziehen, revidierten diese Entscheidung später. Red Bull suchte derweil einen Motorenbauer ab 2026 und zunächst sah es nach einer Zusammenarbeit mit Porsche aus. Der Deal platzte aber – auch, weil Horner seine Finger im Spiel gehabt haben soll. Mittlerweile baut der Energydrink-Gigant seinen eigenen Motor mit der Unterstützung von Ford.
"Wir haben es erlebt, Motorenpartner von Renault zu sein", erklärte Horner über die Motorensparte des französischen Konzerns, die mittlerweile eingestellt wurde. Mit Ferrari-Motoren würde man keinen WM-Titel gewinnen und Mercedes würde Red Bull sowieso nicht beliefern. Daraufhin entschied sich das Unternehmen, selbst Motoren zu bauen. "Dietrich Mateschitz hatte Fragezeichen: Können die von Grund auf einen Motor bauen?", erzählte Horner dann. "Wir haben eine Fabrik in 55 Wochen gebaut, der Motor ist nach zwölf Monaten gelaufen", schilderte der Brite.
Während dieser Aufbauarbeiten der eigenen Motorenabteilung sei dann plötzlich Porsche als Interessent aufgetaucht. "Oliver Mintzlaff hat das an Dietrich herangetragen. weil Porsche Sponsor bei RB Leipzig ist. Porsche ist eine ikonische Marke und Dietrich als guter Vermarkter hat wohl gedacht, dass sich Red Bull Porsche sexy und cool anhört", erzählte Horner. "Ich wurde dann hingeschickt, um mir deren Fabrik anzuschauen. Da war nichts", schmunzelte der 52-Jährige.
"Der Deal, der am Tisch lag, war 50/50", schilderte Horner, die deutsche Luxus-Automarke wollte also mit der Hälfte beim Team einsteigen. "Man braucht aber einen Leader. Und es war klar, dass Dietrich nicht mehr in guter Verfassung war. Und in seiner Abwesenheit würde ein Komitee die Entscheidungen treffen. Aber wie sollte man da Entscheidungen treffen?", fragte Horner. Er war es gewohnt, in Absprache mit Mateschitz oder Marko schnell Entscheidungen zu treffen.
Letztendlich hätte die thailändische Yoovidhya-Familie, die 51 Prozent der Red-Bull-Anteile hält, die Partnerschaft mit Porsche absegnen müssen. Er habe dann Familienoberhaupt Chalerm Yoovidhya getroffen. "Und ich habe ihm gesagt, dass es kein guter Deal ist", sagte Horner. Die thailändische Seite hätte dann auch mit Star-Designer Adrian Newey gesprochen. Dessen Antwort sei laut Horner eindeutig gewesen: "Ich gehe, wenn dieser Deal so kommt." Danach hatte sich Newey mit Horner zerstritten und ohnehin den Rennstall verlassen, ist nun bei Aston Martin tätig.
"Die Thai-Familie hat den Deal dann nicht freigegeben", schilderte Horner. Dies sei nicht gerade zum Wohlwollen von Marko gewesen. "Er hat zu mir gesagt: ,"Wenn du mit den Thais sprichst, wirst du gefeuert'", habe der Grazer dem Teamchef entgegengerufen. Horner habe aber eine andere Meinung gehabt: "Dieses Team ist in großen Schwierigkeiten, wenn dieser Deal so passiert. Ich habe die Pflicht, den Anteilseignern das so zu sagen, wie ich es sehe", rechtfertigte sich der 52-Jährige. Andere warfen Horner dann vor, genau in dieser Phase die Nähe zu den Yoovidhyas zu suchen, um seine Macht auszubauen.
Letztendlich sei auch Dietrich Mateschitz selbst nicht mehr vom Porsche-Deal überzeugt gewesen. "Er war extrem stolz, als wir zum ersten Mal einen Motor gestartet haben und er hat mich gefragt, wie viel Porsche dazu beigetragen hat. Ich habe gesagt: ,Nichts'", so Horner. Die Antwort des mittlerweile verstorbenen Red-Bull-Gründers darauf: "Warum brauchen wir die dann?" Er habe die Verhandlungen dann beendet.