Smartphone-Test

Huawei liefert mit dem Pura 80 Ultra Foto-Revolution

Huawei kehrt zurück – mit dem Pura 80 Ultra. Das Kamera-Flaggschiff mit 1-Zoll-Sensor, zwei Tele-Linsen und 100 Watt Schnellladen im "Heute"-Test.
Rene Findenig
26.11.2025, 07:57
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Als Huawei sein Comeback mit einem eigenen Online-Shop in Österreich verkündete, waren die Hoffnungen der Unternehmens-Fans groß – schließlich gelten die Smartphones des Tech-Konzerns bis heute als die allerbesten der Branche, wenn es um Fotografie geht. Zeitgleich gibt es nun auch gleich außerhalb von China das neueste Flaggschiff – das Huawei Pura 80 Ultra. Und auch dieses hat den Anspruch, Smartphone-Fotografie neu zu definieren. Die Messlatte liegt zwar hoch, doch aufgezeigt hat das Gerät bereits im Ranking der Foto-Test-Experten DxOMark, in dem sich das Pura 80 Ultra gleich wieder auf den ersten Platz setzen konnte.

Schon beim Auspacken wirkt das Smartphone majestätisch: Mit 163 Millimeter Höhe, 76 Millimeter Breite, einer Dicke von rund 8,3 Millimeter und rund 234 Gramm Gewicht ist es kein Leichtgewicht und kein ultradünner Vertreter, aber durchaus präsent und hochwertig verarbeitet. Besonders auffällig ist die Dreifach-Kamera im dreieckigen Pfeil-Modul in Form von Huaweis "Forward"-Designsprache, das deutlich aus der Smartphone-Rückseite hervorsteht. Die beiden Farbvarianten "Golden Black" und "Prestige Gold" verleihen dem Gerät einen Hauch Luxus. Der Preis ist auch Luxus, zum Start wird das Pura 80 Ultra um 1.499 Euro ausgerufen.

Display unter den besten am Smartphone-Markt

In Österreich gibt es das Pura 80 Ultra in der Ausführung mit 16 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 512 GB internem Speicher – und einer ganzen Reihe von Aktionen und Rabatten, die den hohen Preis drücken. Mit IP68/IP69-Schutz ist das Pura 80 Ultra gegen Wasser und Staub bestens gerüstet, sogar abgedichtet gegen beides. Das 6,8 Zoll LTPO-OLED-Display – gemessen 6,78 Zoll im Standardrechteck – bietet eine Auflösung von 2.848 × 1.276 Pixel, was eine sehr hohe Pixeldichte von etwa 460 ppi ergibt. Besonders beeindruckend ist die adaptive Bildwiederholrate: Von 1 Hz bis 120 Hz – je nachdem, welcher Inhalt gerade angezeigt wird.

Das spart Energie, wenn viel Scrollen oder Lesen angesagt ist, liefert aber bei schnellen Bewegungen genug Schub für flüssige Animationen. Außerdem setzt Huawei auf 1.440 Hz PWM-Dimmen, um Flackern zu minimieren, und das Touch-Sampling erreicht bis zu 300 Hz, was Eingaben extrem verzögerungsfrei macht. In der Praxis spürt man das sofort: Texte werden scharf wiedergegeben, Farben wirken lebendig, aber nicht übersättigt. Das Display ist hell genug für den Außenalltag, aber auch angenehm zu benutzen in dunkleren Umgebungen. Der Bildschirm kann ohne Probleme mit den besten der Smartphone-Konkurrenz mithalten.

Solider Unterbau mit überraschenden Schwächen

Unter der Haube läuft ein Kirin 9020 Octa-Core-Prozessor, der dafür sorgt, dass das Pura 80 Ultra bei alltäglichen Aufgaben wie Social Media oder Multitasking flüssig läuft. Auch unter großen Belastungen knickt es nicht ein – der Prozessor drosselt kaum, das Gerät wird auch nicht heiß. Beachtlich, da Huawei von einigen Chip-Herstellern abgeschnitten ist. Der Prozessor im Pura 80 Ultra wird übrigens im 7-Nanometer-Verfahren von SMIC hergestellt, während die Konkurrenz bei 3 Nanometern angekommen ist. Leistungstests zeigen, dass das Pura 80 Ultra zwar gut arbeitet, aber weit hinter den Spitzenleistungen der aktuellen Flaggschiffe zurückliegt.

Auf Software-Seite setzt Huawei auf EMUI 15.0. Das Betriebssystem ist stabil und gut durchdacht, aber Google-Services fehlen natürlich weiterhin. Wer will, kann Google-Anwendungen dennoch ziemlich problemlos nachinstallieren, das System funktioniert aber für sich überraschend gut. Aufgrund der US-Sanktionen, die im Mai 2019 begannen, dürfen neue Huawei-Smartphones bekanntlich keine lizenzierten Google-Apps und -Dienste wie den Google Play Store, Gmail oder YouTube mehr verwenden. Huawei hatte damals schnell reagiert und mit dem Aufbau eines eigenen Betriebssystems als Alternative zu Android und iOS begonnen.

Mittlerweile eine echte Alternative zu Apple und Google

Mittlerweile zeigt sich, dass dieses auch ganz für sich alleine eine interessante Alternative zu den Apple- und Google-Systemen darstellen kann – ohne Google-Dienste nachzuinstallieren. Die AppGallery verfügt über so gut wie alle prominenten und auch viele heimische Apps, der Dienst Petal Search findet und installiert Apps, die nicht in der AppGallery sind. Lange vermisste Banking-Apps funktionieren jetzt auch und Petal Maps als Kartendienst hat dank schlanker, übersichtlicher Aufmachung sogar in einigen Belangen die Nase gegenüber der starken Konkurrenz vorne. Huaweis Mail-App und Browser sind immerhin zweckmäßig.

Knackpunkt für das Smartphone: Ohne native Google-Dienste fühlen sich manche Nutzer eingeschränkt. Es gibt zwar Workarounds wie MicroG oder GBox, aber das setzt technisches Interesse und manuelles Installieren voraus. Doch wer sich für das Pura 80 Ultra interessiert, sollte sowieso auf Nachinstallationen verzichten und die Software so nehmen, wie sie ist. Dann zeigt sich, dass Huawei viel Arbeit in das eigene System gesteckt hat, um Arbeit, Verbindungen und Steuerfunktionen smart für das eigene Ökosystem umzusetzen. Und es braucht nur eine kleine Eingewöhnungsphase bei diesem neuen System, bis man sich blind auskennt.

Huawei liefert mit dem Pura 80 Ultra Foto-Revolution

Wenn man dem Pura 80 Ultra einen Spitznamen geben müsste, wäre es wohl "Taschen-Kamera-Wunder". Die Kamera ist das wohl spektakulärste Merkmal des Geräts – und nicht ohne Grund: Huawei hat eine außergewöhnliche Kombination aus Sensoren, Linsen und Technologie geschaffen. Die Hauptkamera nutzt einen 50 MP 1-Zoll "Ultra Lighting HDR"-Sensor mit variabler Blende (f/1.6 bis f/4.0) sowie optischer Bildstabilisierung (OIS). Der große Sensor erlaubt mehr Lichteinfall, was besonders bei Low-Light-Aufnahmen ein enormer Vorteil ist. Bei Tag gibt es fantastische Fotos, bei Nacht ist man ebenfalls ganz vorne mit dabei.

Ein weiteres Highlight ist der Spektralsensor, der in Kombination mit den anderen Linsen für eine besonders natürliche und akkurate Farbwiedergabe sorgt. Doch das ist nicht alles: Huawei verbaut gleich zwei Tele-Linsen, die über einen cleveren Mechanismus gemeinsam einen einzigen Sensor nutzen. Eine Periskop-Linse liefert 3,7-fach optischen Zoom, eine andere 9,4-fach optischen Zoom, und beides wird über einen beweglichen Prisma-Mechanismus gesteuert. So deckt das Gerät sehr flexibel ganz unterschiedliche Entfernungen ab – von leichtem Zoomen bis zu weit entfernten Motiven. Und das schärfer, als es die Konkurrenz kann.

Spitze in allen Licht- und Dunkelheitsverhältnissen

Dazu kommt eine 40 MP-Ultraweitwinkelkamera (f/2.2) und ein Ultra-Chroma-Sensor mit 1,5 Millionen Spektralkanälen, was laut Huawei zu einer sehr feinen Farbabstufung führen soll. Aufnahmen mit dem Weitwinkel wirken lebendig, ohne verzerrt zu sein, und liefern eine überraschend gute Detailtreue. Beim digitalen Zoom geht das Pura 80 Ultra bis zu 100-fach, ein extremer Wert, der in manchen Szenen spaßig, in anderen jedoch eher Spielerei ist. Richtig beeindruckend sind Fotos bis zu 20-fachem Zoom, darüber hinaus kommt es darauf an, ob die Künstliche Intelligenz das geknipste Objekt erkennt oder etwas ganz anderes daraus macht.

In den Test-Aufnahmen machte die Kamera in allen Licht- und Dunkelheitsverhältnissen eine extrem beeindruckende Figur: Porträts zeigen weiches Bokeh und schmeichelnde Hauttöne, Zoombilder bleiben überraschend scharf, und Nachtfotos sind dank Großsensor sehr rauscharm. Die Kamera liefert lebendige Farben, scharfe Details und eine zuverlässige Belichtung in vielen Lichtszenarien – braucht sich im Hinblick auf Bildqualität kaum hinter DSLR-inspirierten Modellen zu verstecken. In Videoaufnahmen überzeugt das Smartphone ebenfalls: Stabilisierung funktioniert sehr gut, selbst in Bewegung, und das Bild bleibt klar.

Knackscharf trotz 3,7-fach-Zoom und Nacht: Die variable Blende, der große Sensor, die Dual-Tele-Linsen und der Spektralsensor bieten phänomenale kreative Freiheit.
Rene Findenig

Schnell geladen, gute Ausdauer, aber kein 5G

Der Akku des Pura 80 Ultra hat laut den offiziellen Spezifikationen eine Nennkapazität von 5.170 Milliamperestunden (mAh). In Kombination mit dem effizienten LTPO-Display und dem gut temperierten Kirin-Chip ergibt das eine erfreulich stabile Laufzeit im Alltag. Im Schnitt kommt man auf rund zwei Tage ohne Ladung, bei starker Nutzung kommt man dennoch über einen ganzen Tag. Noch beeindruckender ist jedoch das Aufladen: Huawei setzt auf 100 Watt SuperCharge über Kabel – das geht blitzschnell. Außerdem gibt es 80 Watt kabellose Ladung – mehr und dadurch eine schnellere Aufladung, als es viele Flaggschiffe selbst mit Kabel bieten.

Schön ist auch, dass das Smartphone bei hohen Ladeleistungen nicht heiß wird. Huawei hat beim Pura 80 Ultra solide Konnektivität verbaut, aber mit einem Manko: Das Gerät unterstützt Dual-SIM (Nano-SIM + Nano-SIM oder eSIM), LTE (4G) nach diversen Bändern, Bluetooth 5.2 inklusive LDAC für hochwertige Audioübertragung, sowie WLAN nach dem neuesten Standard (2,4 GHz und 5 GHz, IEEE 802.11a/b/g/n/ac/ax mit 2×2 MIMO). Zusätzlich ist NFC vorhanden. Für viele Nutzer reicht das, aber wer auf 5G angewiesen ist, wird enttäuscht sein. Sensorisch gibt es Fingerabdrucksensor, Umgebungslichtsensor, Gyroskop, Kompass und Farbsensor.

Kreatives Kamera-Flaggschiff mit interessanten Eigenheiten

In der Praxis fühlt sich das Pura 80 Ultra sowohl wie ein Smartphone als auch wie eine High-End-Kamera an. Für Fotografen oder kreative Nutzer ist das Gerät ein Traum: Die variable Blende, der große Sensor, die Dual-Tele-Linsen und der Spektralsensor bieten phänomenale kreative Freiheit. Man kann bewusst mit Bokeh spielen, entfernte Objekte heranzoomen und selbst schwierige Lichtverhältnisse meistern. Doch dieser Luxus hat auch einen Preis von fast 1.500 Euro. Der macht das Pura 80 Ultra zu einer Investition, die sich vor allem für Fotografie-Fans lohnt, nicht für Gelegenheitsnutzer, die vor allem WhatsApp, Insta und Telefonie brauchen.

In solchen "normalen" Alltagsszenarien ist das Gerät vielleicht überdimensioniert – und das fehlende 5G kann schmerzen, wenn man moderne Netzabdeckung erwartet. Wer dagegen maximale Kameraleistung, kreative Kontrolle und eine echte mobile Fotoplattform sucht, bekommt hier ein Gerät, das viele DSLRs alt aussehen lässt – zumindest in bestimmten Alltags-Szenarien. Wenn man die Eigenheiten und das eigene Software-System des Huawei Pura 80 Ultra akzeptiert, bekommt man ein wahres Kamera-Kraftpaket in einem schicken, gut verarbeiteten Smartphone – und das ist in der heutigen Zeit durchaus etwas Besonderes.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } Akt. 26.11.2025, 13:37, 26.11.2025, 07:57
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