Abnehmspritzen verändern offenbar nicht nur das Essverhalten – auch die Lust auf ein kühles Bier könnte darunter leiden! Der niederländische Brauereiriese Heineken warnt jetzt britische Pubs und Bars vor möglichen Umsatzeinbußen durch den zunehmenden Einsatz von Medikamenten wie Ozempic und Wegovy.
Der Konzern, zu dem auch die österreichische Brau Union gehört, empfiehlt den Wirten deshalb ein Umdenken: kleinere Biergläser, mehr alkoholfreie Getränke und andere Angebote für Gäste, die weniger trinken möchten.
Hintergrund sind Beobachtungen aus den USA. Dort untersuchte das Marktforschungsunternehmen Circana das Konsumverhalten von Haushalten, in denen sogenannte GLP-1-Medikamente verwendet werden.
Nach zwei Jahren Behandlung gaben diese Haushalte monatlich rund sieben Prozent weniger für Alkohol aus als Vergleichshaushalte. Bei Bier lag der Unterschied sogar bei 13,5 Prozent.
Die Zahlen zeigen einen Zusammenhang zwischen der Nutzung der Medikamente und geringeren Alkoholausgaben. Sie bedeuten allerdings nicht, dass der gesamte Biermarkt um 13,5 Prozent eingebrochen ist.
Medikamente wie Wegovy und Ozempic enthalten Wirkstoffe, die an bestimmten GLP-1-Rezeptoren im Körper ansetzen. Sie beeinflussen unter anderem das Sättigungsgefühl und können dazu führen, dass Menschen weniger essen.
Forschende untersuchen darüber hinaus, welchen Einfluss die Wirkstoffe auf das Belohnungssystem im Gehirn und das Verlangen nach Alkohol haben.
Joseph Schacht, Professor an der University of Colorado Anschutz, erklärte gegenüber Reuters, dass die Medikamente offenbar auch das Bedürfnis nach alkoholischen Getränken verringern können.
Bei einer Befragung durch die Nachrichtenagentur gaben zehn von elf GLP-1-Anwendern an, ihren Alkoholkonsum reduziert zu haben. Manche berichteten von Unwohlsein nach dem Trinken, andere schlicht von geringerer Lust auf Alkohol. Die kleine Befragung ist allerdings nicht repräsentativ.
Für Heineken könnte die Entwicklung zu einem Problem werden. In einer Präsentation an britische Gastronomiebetriebe, die Reuters vorliegt, warnt der Braukonzern vor einem möglichen Rückgang des Bier- und Ciderabsatzes.
Besonders traditionelle Pub-Besuche, bei denen mehrere große Biere getrunken werden, könnten seltener werden. Deshalb empfiehlt Heineken den Wirten, sich auf veränderte Gewohnheiten einzustellen. Statt ausschließlich große Bierportionen anzubieten, sollten kleinere Gläser stärker beworben werden.
Auch alkoholfreie und alkoholreduzierte Getränke sowie Kombinationen mit kleinen Speisen könnten helfen, Gäste zu halten. Wer darauf nicht reagiere, riskiere nach Einschätzung des Konzerns weniger Besucher und geringere Einnahmen.
Heineken bestätigte, dass die Präsentation im Oktober im Rahmen des regelmäßigen Austauschs mit britischen Gastronomiekunden verschickt wurde. Der weltweit zweitgrößte Braukonzern will das veränderte Konsumverhalten weiter beobachten und die Entwicklung auch im kommenden Jahr 2027 verfolgen.
Für Österreich ist das Thema ebenfalls interessant: Heineken ist der Mutterkonzern der Brau Union, zu deren Marken unter anderem Gösser, Zipfer, Puntigamer und Kaiser gehören. Eine konkrete Warnung vor einem entsprechenden Absatzeinbruch in Österreich gibt es aber bislang nicht.
In der internationalen Alkoholbranche gehen die Einschätzungen auseinander. Während Heineken bereits Anpassungen empfiehlt, beurteilen Konkurrenten die Lage zurückhaltender. Der Spirituosenkonzern Diageo hält mögliche Auswirkungen für beherrschbar.
Der dänische Brauereikonzern Carlsberg erklärte wiederum, die bisher verfügbaren Daten würden noch keinen eindeutigen Trend erkennen lassen. Fest steht, dass die Branche ohnehin unter Druck steht: In mehreren wichtigen Märkten trinken Konsumenten aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen weniger Alkohol.
Die Abnehmspritzen könnten diesen Wandel zusätzlich verstärken. Ob sie tatsächlich zu einem längerfristigen Einbruch beim Bierverkauf führen, muss sich aber erst zeigen. Für die Wirte hat Heineken jedenfalls schon jetzt einen Vorschlag: Lieber ein kleineres Bier verkaufen, als den Gast ganz zu verlieren.