In der unversöhnlichen Stimmung in den USA rund um die brutalen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE meldet sich nun überraschend die First Lady zu Wort. "Ich rufe zur Einigkeit auf", sagte Melania Trump gestern dem US-Nachrichtensender Fox News.
Ihr Mann, der Präsident, habe am Vortag mit dem Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, und dem Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, telefoniert, um die Lage "zu befrieden und Ausschreitungen zu vermeiden", so die 55-Jährige weiter.
Zuvor waren am Wochenende die Anti-ICE-Proteste nach der Tötung des Einsatzbeobachters Alex Pretti († 37) gewalttätig eskaliert. Demonstranten stürmten und verwüsteten die Lobby eines Hotels, in dem einige der 3.000 in der Stadt stationierten Einsatzkräfte untergebracht sind. Keine drei Wochen zuvor starb bereits die Demo-Beobachterin Renée Nicole Good († 37) auf ähnliche Weise durch Schüsse aus der Pistole eines ICE-Beamten.
In beiden Fällen verteidigte die Regierung das Vorgehen, behauptete, die Beamten hätten in Notwehr gehandelt – eine Darstellung, an der die zahlreich vorhandenen Zeugenvideos mehr als nur Zweifel aufkommen ließen.
Nun gibt sich Präsident Trump kompromissbereit. Er berief den umstrittenen Kommandanten Greg Bovino aus der Stadt ab. Er muss zu einer Anhörung vor Gericht erscheinen, um im Fall eines zu Unrecht inhaftierten Mannes auszusagen.
Im Gegenzug schickt Trump seinen "Grenz-Zar" Tom Homan, den Chef der Behörde, nach Minneapolis, um sich ein eigenes Bild der Einsätze und der Proteste dagegen zu verschaffen. Hintergrund ist, dass auch in den eigenen, republikanischen Reihen die Kritik an den Einsätzen und den Umgang mit Protesten immer lauter wurde.
Kleines Detail am Rande: Am Freitag kommt das Bio-Pic "Melania" in die Kinos. Ein absolut "unpolitischer" Film, wie Melania versicherte. Hinter den Kulissen herrscht aber die Angst, dass der Film floppen könnte. Ihr Aufruf zur Einigkeit könnte, wie in Trumps Umfeld schon oft erlebt, ein weiterer Versuch sein, auch aus der größten Krise am Ende noch Kapital zu schlagen.