Am 4. März stehen weitere elf Menschen der ehemals Letzten Generation vor dem Straflandesgericht Wien. Verhandelt werden ab 9:30 Uhr Anklagen im Zusammenhang mit gewaltfreien Straßenprotesten am Montag, den 20. November 2023. Währenddessen verschärft sich die Klimakrise weiter – und wie etwa die jüngsten Extremregen-Überschwemmungen in Spanien und Portugal zeigen, ist auch Europa im Zeitalter der Konsequenzen angekommen.
Svenja Schraut, 22, studiert soziale Arbeit und sitzt heute unter den Angeklagten: "Ich habe versucht, alles zu tun, was in meiner Macht steht, um die Klimakatastrophe aufzuhalten. Ich habe immer getan, was ich für richtig hielt. Ich bereue meinen Protest nicht. Friedlicher Widerstand ist der Überlebenskampf einer Gesellschaft, die sich nicht aufgeben will."
Auch der Oberösterreicher Florian Pennetzdorfer, 41, Vater von zwei Kindern, hat gegen das politische Versagen gekämpft. Dafür sitzt der Data Analyst heute auf der Anklagebank. Er fragt sich: "Wie kann es sein, dass Menschen für Sitzblockaden härter bestraft werden als für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen? Wenn wir sehen, dass Politiker*innen versagen, müssen wir als Gesellschaft handeln. Sich nur Sorgen machen und nichts zu tun reicht nicht mehr."
Anwalt Paul Kessler, der viele der Angeklagten vertritt, fragt in seinem Plädoyer: "Was wiegt schwerer – eine zeitlich begrenzte Verkehrsbehinderung oder irreversible klimatische Schäden, die ganze Lebensgrundlagen zerstören? Meine Mandanten stehen zu ihren Handlungen. Sie bedauern, Menschen in ihrem Alltag gestört zu haben. Es war keine leichte Entscheidung. Sie bereuen nicht, versucht zu haben, auf eine Krise aufmerksam zu machen, die alle Menschen betrifft. Der gewaltfreie und aus unserer Sicht verhältnismäßige zivile Ungehorsam in einer existenziellen Krise ist die Verteidigung der Demokratie".
Die Menschen der Letzten Generation bitten um Spenden, um die Kosten der Strafverhandlung decken zu können: https://letztegeneration.at/spenden