Ängste, Selbstzweifel, Stress

"Ich höre zu" – 18-Jährige hilft Jugendlichen in Krisen

Wenn niemand zum Reden da ist, wird Sarah (18) zur Helferin im Hintergrund. Als Freiwillige bei "time4friends" hört sie Jugendlichen per WhatsApp zu.
Hannah  Maier
10.04.2026, 10:41
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"Ich habe in der Schule gesehen, dass manche niemanden zum Reden haben und sich in schwierigen sozialen Situationen befinden, wo sie sich auf keinen verlassen können", erzählt Sarah (Name von der Redaktion geändert). Genau das hat sie dazu gebracht, aktiv zu werden. Heute ist sie Peer-Beraterin beim Roten Kreuz – und für viele Jugendliche eine wichtige Anlaufstelle.

Seit drei Jahren engagiert sich die Studentin beim Beratungsangebot "time4friends". "Mein Ziel ist, für die, die kein Netzwerk haben, eine Ansprechperson zu sein, wo sie nicht verurteilt werden und jemanden haben, der da ist", sagt die 18-Jährige.

Hilfe per WhatsApp

Zweimal im Monat sitzt Sarah für jeweils vier Stunden am Handy oder am Laptop. Dann heißt es: lesen, schreiben, helfen. "Manchmal melden sich sehr viele", erzählt sie. Insgesamt betreut sie etwa sechs bis acht Jugendliche im Monat. Der Kontakt läuft per WhatsApp.

Streit, Stress, Belastung

Die Themen? "Typische alltägliche Probleme wie Schulstress, Pubertät, Streit mit Eltern oder die Frage: Wie finde ich meine Rolle in der Gesellschaft?", erzählt die Niederösterreicherin. Doch in den letzten Jahren habe sich etwas verändert: "Zukunftsängste beschäftigen die Jugendlichen immer mehr – Krieg oder Klimakrise. Es geht nicht mehr nur um private Themen", sagt Sarah.

„Ich habe für alle Jugendlichen ein offenes Ohr und möchte ihnen helfen.“
SarahPeer bei "time4friends"

Nicht selten geht es um ernste Probleme: "Essstörungen, psychische Probleme und Selbstverletzung kommen vor. Es gibt auch Suizidthemen." Trotzdem stellt Sarah klar: "Wir sind keine Psychologen oder Therapeuten." Ihre Aufgabe sei es, zuzuhören und weiterzuhelfen: "Wir verweisen dann auf Rat auf Draht oder andere Anlaufstellen."

Auch schwere Fälle landen im Chat

Gerade am Anfang sei es nicht immer leicht gewesen. "Die Abgrenzung ist schwierig. Am Ende den Laptop zuzuklappen und wieder in den Alltag zurückzukehren, muss man lernen." Doch sie ist nicht allein: "Wir sind ein super Team. Schwierige Chats werden immer nachbesprochen", erzählt Sarah.

Besonders bewegt hat sie ein Erlebnis aus ihrer Anfangszeit: "Ich hatte lange einen Chat mit einer Person, die sehr verschlossen war." Mit Geduld habe sie Vertrauen aufgebaut. "Wir haben es geschafft, dass sie offener wird und wieder unter Menschen geht." Wochen später kam die Nachricht: "Sie hat sich bedankt und erzählt, dass sie viele Freunde gefunden hat. Das war voll schön", erinnert sich Sarah.

Rotes Kreuz sucht Peers

Das Angebot "time4friends" ist ein Peer-Beratungsangebot des Österreichischen Jugendrotkreuzes und richtet sich speziell an Jugendliche. Gleichaltrige beraten hier Gleichaltrige – kostenlos, anonym und täglich. "Verunsicherung und Zukunftsängste sind deutlich merkbar", sagt Jugendrotkreuz-Leiterin Sonja Kuba. Die Nachfrage steigt: Allein im Vorjahr wurden hunderte Beratungen geführt und tausende Nachrichten verschickt.

time4friends:

Angebot: Die Peers sind täglich von 18 bis 22 Uhr unter +43 664 1070 144 anonym und kostenfrei über WhatsApp erreichbar.

Ausbildung: Findet heuer von 22. bis 26. Mai 2026 im Jugend- und Familiengästehaus Velden am Wörthersee statt. Anmeldeschluss ist der 12. April 2026. Infos: hier.

Aktuell helfen 48 ausgebildete Peers in ganz Österreich. Und es werden mehr gesucht: Wer zwischen 15 und 20 Jahre alt ist, kann sich noch bis 12. April für die Ausbildung in Velden am Wörthersee anmelden.

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