Für Dutzende Bewohner eines Hauses in Wörgl (Bezirk Kufstein) kommt das Aus: Sie müssen ihre Wohnungen innerhalb weniger Wochen verlassen. Grund dafür sind illegale Umbauten und gravierende Mängel.
Konkret betrifft es das Gebäude in der Bahnhofstraße 51. Laut einem Bescheid des Bauamts der Stadtgemeinde Wörgl müssen alle Wohnungen bis spätestens 5. Juni 2026 geräumt werden. Die Verfügung wurde bereits an Mieter und Eigentümer zugestellt. Als Ursache werden "bewilligungspflichtige Abweichungen gegenüber den Baubewilligungen vorgenommen." genannt – das Gebäude entspricht also nicht den rechtlichen Vorgaben.
Im Bescheid wird die Konsequenz klar formuliert: "Die weitere Benützung der Wohnanlage ist ab 5.6.2026, 9 Uhr, untersagt. Sämtliche Wohnungen dürfen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr benutzt werden." Für die Durchsetzung sind auch Kontrollen vorgesehen, zusätzlich sollen Beschilderungen und Absperrungen angebracht werden, berichtet die "Tiroler Tageszeitung".
Auslöser war eine anonyme Anzeige, die eine baupolizeiliche Überprüfung im Februar 2026 nach sich zog. Dabei stellte sich heraus, dass deutlich mehr Wohnungen errichtet wurden als genehmigt: Statt 24 Einheiten sollen 35 bestehen. Zudem fehlte für den Umbau des früheren Hotels in ein Wohnhaus offenbar die notwendige Benützungsbewilligung.
Neben den baurechtlichen Verstößen wurden bei Kontrollen – auch durch einen Sachverständigen – zahlreiche weitere Mängel festgestellt, unter anderem beim Brandschutz und bei der Nutzungssicherheit.
Wer für die illegalen Umbauten verantwortlich ist, geht aus dem Dokument nicht hervor. Das Gebäude gehört mehreren Eigentümern, die jeweils einzelne Wohnungen besitzen. Sie haben nun bis Oktober 2027 Zeit, einen rechtmäßigen Zustand herzustellen. Dafür muss zunächst ein Bauverantwortlicher bestellt werden.
Für die Bewohner ändert das jedoch nichts an der akuten Lage: Sie müssen kurzfristig neuen Wohnraum finden. Insgesamt dürften mindestens 64 Personen betroffen sein. Zwar wurde laut Bescheid ein Aufschub gewährt, "aufgrund der Anzahl der Bewohner und um soziale Härtefälle zu vermeiden", doch angesichts der angespannten Situation am Wohnungsmarkt gilt die Suche nach leistbarem Ersatz als äußerst schwierig.
Viele der Wohnungen gelten als klein und vergleichsweise günstig, einige Bewohner leben dort bereits seit Jahrzehnten.
Von offizieller Seite gibt es kaum Informationen. Die Stadt Wörgl teilte lediglich mit: "Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass dazu keine Auskünfte erteilt werden". Auch vom Bürgermeister gab es zunächst keine Stellungnahme.
Unterstützung kommt indes von der Sozialberatungsstelle DOWAS. Dort haben sich bereits zahlreiche Betroffene gemeldet. "Wir unterstützen die Menschen mit Beratung zur Wohnungssuche, klären ab, ob sie einen Antrag auf eine Gemeindewohnung stellen können und vermitteln die Betroffenen, wenn nötig, weiter zur Mietrechtsabteilung der Arbeiterkammer", heißt es.
Nicht von der Räumung betroffen sind einzelne Gewerbebetriebe im Haus. Während bei einem Lokal lediglich Anpassungen im Bereich Brandschutz notwendig sind, läuft der Betrieb eines Physiotherapiestudios im Erdgeschoß unverändert weiter.