Die wilden Szenen am Großglockner sorgen weiter für heftige Diskussionen. Ein Bergführer beschimpfte zunächst einen Alpinisten, später wurde der Streit sogar körperlich. Das Video geht um die Welt, mittlerweile wurde es etwa drei Millionen Mal im Internet aufgerufen.
Die meisten Kommentatoren kritisieren das Verhalten des Bergführers heftig. Einer nimmt den Bergführer aber teilweise in Schutz. Michael Bübl hat selbst viel Erfahrung auf den Bergen, hat auch den Großglockner bestiegen.
Zur Klarstellung: Das physische Schubsen verurteilt auch er. Aber die heftige Wortwahl des Bergführers sieht er wesentlich gelassener als viele andere: „Der Ton am Berg ist eben rau", sagt Bübl. Auch sonst kann er die große Aufregung nur bedingt nachvollziehen: "Diese Handlung ist nicht so tragisch."
Eine Grenze zieht aber auch er: "Runterstoßen darf man keinen!"
Der Niederösterreicher Bübl argumentiert vor allem mit den besonderen Bedingungen am Berg. Dort könne es schnell um wesentlich mehr gehen als um Höflichkeiten. "Da oben gibt es für nichts Zeit", sagt der Bergsteiger, "je höher am Berg, desto skrupelloser, da kann es um Leben und Tod gehen."
Deshalb stößt sich Bübl auch nicht grundsätzlich an der Ausdrucksweise des Bergführers. "Ich habe kein Problem damit", erklärt er. "Ich sehe das Verhalten ganz normal."
"Ich muss den Bergführer in Schutz nehmen. Seine Ausdrucksweise ist absolut normal und millieubedingt. in dreitausend Meter ist auf einer Kletterstrecke wenig Zeit und wenig Interesse sich in Burgtheaterdeutsch auszudrücken", sagt der Niederösterreicher zu "Heute".
Dann erklärt er seine Sicht mit einem drastischen Beispiel: "Es geht um Zeit, um Geld und manchmal um Menschenleben. Da kann man nicht im Übersetzer nachsehen und sagen 'Hätten Sie bitte die Güte ein wenig Freiraum zu schaffen, um meiner Wenigkeit ein Vorbeigeleiten zu ermöglichen? Da heisst es 'Schleich dich!'"
Auch wer als Besucher in die Berge kommt, müsse sich laut Bübl auf die dortigen Gepflogenheiten einstellen. "Ich kann ja nicht in ein Bergland kommen und mich dann über den Umgangston beschweren."
Seine Sicht bringt der Bergsteiger schließlich mit einem Satz auf den Punkt: "In Venedig singt man, in Tirol schimpft man, das ist so!"
Der umstrittene Bergführer selbst hat sich mittlerweile ebenfalls zu dem millionenfach angesehenen Video geäußert. "Man muss nichts schönreden, das kann man auch nicht. Das Video ist unvorteilhaft für mich", sagte der Steirer gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Mittlerweile ist er nicht mehr als Bergführer tätig. Die Verantwortung für die Eskalation will er allerdings nicht alleine bei sich sehen. "Da trafen sich zwei, die ego-infiziert sind. Aber wen interessiert die Vorgeschichte, wie es zu dieser Szene kam?"