Tausende Schicksale hat das erste Halbjahr gefordert. 2.280 Mitarbeiter haben ihren Job durch eine Firmeninsolvenz verloren, berichtet der Kreditschutzverband 1870.
Insgesamt gab es im ersten Halbjahr 2026 in Niederösterreich 569 Unternehmensinsolvenzen – um 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr (2025: 555 Insolvenzen). Die Unternehmen werden laut KSV1870 mit vielen bekannten, aber auch mit neuen Herausforderungen (Nahost-Konflikt) konfrontiert.
Brigitte Dostal, Leiterin Unternehmensinsolvenz Wien/NÖ/Bgld beim KSV 1870, erklärt: "Die erheblichen Kostensteigerungen bei Energie und Personal sowie die schwache Auftragslage und die mangelnde Nachfrage im Privatkonsumbereich setzen die niederösterreichischen Unternehmen weiterhin enorm unter Druck. Insbesondere die globalen Krisenherde stellen ein massives Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung und das Insolvenzgeschehen in Niederösterreich dar."
Von den 569 Gesamtinsolvenzen mussten 213 Verfahren abgewiesen werden – wegen zu wenig Vermögen. "Diese Unternehmen verfügen nicht einmal mehr über die erforderlichen 4.000 Euro für eine Insolvenzeröffnung. Die negativen Auswirkungen einer verspäteten Insolvenzbeantragung haben den Verlust von unzähligen Arbeitsplätzen und massive Forderungsausfälle bei den Gläubigern zur Folge", erklärt Dostal.
Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Anzahl um 28,3 Prozent angestiegen (2025: 166 nicht-eröffnete Insolvenzverfahren).
In Niederösterreich sind die Branchen Bauwirtschaft (96 Insolvenzfälle), der Handel (82 Insolvenzfälle) und die Gastronomie (71 Insolvenzfälle) besonders von den Insolvenzen betroffen. "Diese drei Branchen waren im ersten Halbjahr 2026 für mehr als 40 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen in Niederösterreich verantwortlich", so Dostal.
Die drei größten Insolvenz in Niederösterreich waren bislang "Mediashop GmbH" in Neunkirchen (NÖ) mit 24 Mio. Euro Passiva, "EITEK GmbH" in Ebergassing (Bezirk Bruck an der Leitha, NÖ) mit 22 Mio. Euro Passiva und "Entwicklung Hauptstraße 174 Immo GmbH in Amstetten (NÖ) mit 12,4 Mio. Euro Passiva.
"Aus heutiger Sicht geht der KSV1870 davon aus, dass sich die Insolvenzzahlen bis Jahresende 2026 auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr bewegen werden. Das würde rund 1.100 Insolvenzen im Jahr 2026 für Niederösterreich bedeuten", gibt Dostal einen Ausblick.