Die Polizei erhöht den Druck auf junge Kriminelle. Seit Anfang August finden täglich Schwerpunktaktionen statt. Erst am Mittwochabend rückten 82 Polizisten rund um den Bahnhof Meidling und im angrenzenden Favoriten aus. Unterstützung gab es dabei auch aus anderen Bundesländern.
Insgesamt wurden 195 Personen kontrolliert. Die Bilanz des Großeinsatzes: sieben Anzeigen wegen des Verdachts auf Straftaten nach dem Strafgesetzbuch, zehn Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz und 19 Anzeigen wegen Verwaltungsübertretungen. Fünf Personen wurden festgenommen.
Auch Drogen gingen den Polizisten ins Netz. Sichergestellt wurden 79 Gramm Cannabis, zwei psychotrope Stoffe und 18 Substitutionsmittel – "Heute" berichtete.
Der Hintergrund ist ernst: Die Zahl der tatverdächtigen Minderjährigen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2021 wurden österreichweit 37.185 Tatverdächtige unter 18 Jahren registriert, 2025 waren es bereits 49.067. Rund ein Drittel davon entfiel auf Wien.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei syrischen Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 14 Jahren. Ihre Zahl stieg von 318 Tatverdächtigen im Jahr 2021 auf 1.528 im Jahr 2025.
Seit März 2024 gibt es deshalb eine eigene Einsatzgruppe gegen Jugendkriminalität. Rund 1.600 Personen wurden seither festgenommen, darunter etwa 600 Minderjährige. Mehr als 200 Waffen, vor allem Messer und Schlagringe, wurden sichergestellt.
Besonders sogenannte Intensivtäter beschäftigen die Polizei. Dabei handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die immer wieder mit Straftaten auffallen und teils Hunderte Delikte begehen.
Die Probleme beschränken sich längst nicht mehr auf bekannte Treffpunkte oder Parks. Wiens Landespolizeivizepräsident Dieter Csefan berichtet in den "Salzburger Nachrichten" auch von Zwischenfällen rund um das Landesgericht für Strafsachen. Jugendliche würden dort zu Verhandlungen von Freunden begleitet, Opfer bedrohen oder trotz Verbots filmen.
"Ein Gericht ist kein Treffpunkt für eine Clique", stellt Csefan klar. Auch vor Justizanstalten sollen Freunde von Inhaftierten Videos drehen und versuchen, Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Gefangene würden dabei in sozialen Netzwerken teilweise wie Idole inszeniert.
Besonders alarmierend ist für die Polizei allerdings der Umgang mancher Kinder mit der Strafunmündigkeit. Wer noch nicht 14 Jahre alt ist, kann in Österreich strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden.
Und offenbar wissen manche jungen Intensivtäter ganz genau darüber Bescheid. Csefan berichtet von Aussagen wie: "Ich mach so lange weiter, bis ich 14 bin."
Der Satz zeigt das Problem, vor dem Polizei und Politik stehen: Kinder können bereits schwere Delikte begehen, sind aber noch nicht strafmündig. Ähnliche Erfahrungen werden auch aus Salzburg berichtet.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) fordert deshalb zusätzliche Maßnahmen. Wien testet bereits sogenannte "Auszeit-WGs" für besonders auffällige strafunmündige Kinder. Dort können sie für einige Wochen untergebracht werden.
Karner will solche "gefängnisähnlichen Unterbringungen" künftig österreichweit ermöglichen. Außerdem wird gemeinsam mit dem Justizministerium an weiteren Verschärfungen gearbeitet. Im Gespräch sind unter anderem verpflichtende polizeiliche Regelbelehrungen, Fallkonferenzen und strengere Regeln beim Tragen von Messern.
Auch eine elektronische Fußfessel wird geprüft. Sie könnte nach den Vorstellungen des Innenministers künftig bei bestimmten jugendlichen Straftätern zum Einsatz kommen. Ob und unter welchen Voraussetzungen das rechtlich möglich wäre, ist allerdings noch offen.