Am Mittwochabend wurde Patrick Fischer nach den Vorwürfen rund um sein manipuliertes Corona-Zertifikat von seinem Posten als Trainer der Schweizer-Eishockey-Nationalmannschaft freigestellt. Nun trat Verbandschef Urs Kessler vor die Medien.
"Patrick Fischer ist eine Riesenpersönlichkeit und hat riesige Verdienste für das Schweizer Eishockey", betonte Kessler. Es sei wichtig, die sportlichen Erfolge von dem Vergehen zu trennen. "Der Mensch steht für mich im Vordergrund. Es tut mir sehr leid für die Person, ich fühle mit ihm. Es war sein großes Ziel, die Heim-WM wäre die letzte große Bühne gewesen, und das bereue ich sehr."
Erst vor zweieinhalb Wochen wurde Patrick Fischer bei den Sports Awards als Trainer des Jahres ausgezeichnet – zum dritten Mal insgesamt, zum zweiten Mal in Folge. Doch diese beiden jüngsten Ehrungen könnten ihm laut Swiss Olympic wieder aberkannt werden. Kessler erklärte dazu: "Das wurde mir im Gespräch mit Ruth Metzler von Swiss Olympic mitgeteilt, dass diese Möglichkeit besteht. Das wird geprüft."
Klar ist: Fischer hatte sich während eines Drehs beim Schweizer Fernsehen verplappert, in dem er von der Verurteilung wegen dem gefälschten Covid-Zertifikat ungefragt erzählte und damit die Affäre ins Rollen gebracht. Wie es aber überhaupt zu einer Verurteilung kam, ist weiterhin unklar. Kessler betonte, das werde derzeit von einer externen Kanzlei geprüft.
"Das Ganze muss aufgearbeitet werden, aber wir wollen nichts überstürzen", sagte Kessler, als er auf mögliche Konsequenzen für die Partnerschaft zwischen Hockeyverband und SRF angesprochen wurde. SRF-Reporter Pascal Schmitz hatte beim Mittagessen von Fischer persönlich von der Verurteilung wegen des gefälschten Zertifikats erfahren und anschließend darüber berichtet.
Der Eishockeyverband hat den Spielern vorerst ein Interview-Verbot erteilt. Auch beim Testspiel in Topolcany am Donnerstag gab es für Journalisten keine Möglichkeit zu Gesprächen – ebenso wenig am Freitag. Wie lange der Verband schon über Fischers Vergehen Bescheid wusste, ließ Kessler trotz mehrfacher Nachfrage offen. "Das ist Gegenstand der Untersuchung", erklärte er.
Bei der Pressekonferenz wurde Kessler gefragt, ob er selbst an Rücktritt gedacht habe. "Ich verstehe, dass diese Möglichkeit im Raum steht. Wir haben Fehler gemacht, aber jetzt einen führerlosen Verband kurz vor der Heim-WM, das wäre nicht förderlich."