Minderheit wächst rasant

Irre Annahme! Dieses Land könnte deutschsprachig werden

Eine Modellrechnung sorgt für Aufsehen: In rund 90 Jahren könnten deutschsprachige Mennoniten in Bolivien die Mehrheit stellen.
Newsdesk Heute
30.09.2026, 15:52
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Noch sind sie eine vergleichsweise kleine Minderheit, doch ihre Zahl wächst rasant: Rund 150.000 Mennoniten leben heute in Bolivien, viele von ihnen sprechen Plautdietsch, eine niederdeutsche Sprachvariante. Eine Modellrechnung zeigt nun, wie stark sich das Verhältnis in den kommenden Jahrzehnten verschieben könnte. Darüber berichtet die deutsche "Bild".

Der Ökonom und Statistikprofessor Jesús Fernández-Villaverde (54) von der University of Pennsylvania hat die Bevölkerungsentwicklung durchgerechnet. Sein Ergebnis sorgt auf X für Aufsehen: Setzt sich der derzeitige Trend fort, könnten Mennoniten in rund 90 Jahren sogar die Mehrheit der Bevölkerung Boliviens ausmachen.

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Sieben Kinder statt 1,56

Hinter der Berechnung steckt vor allem ein großer Unterschied bei den Geburtenzahlen. In Bolivien bekommt eine Frau im Durchschnitt 1,56 Kinder. Bei den Mennoniten liegt dieser Wert laut den von Fernández-Villaverde herangezogenen Daten bei etwa sieben Kindern pro Frau.

"Eine kleine Minderheit, die Mennoniten, die Plautdietsch (eine niederdeutsche Sprachvariante) sprechen, weist eine deutlich höhere Geburtenrate auf", schreibt der Professor auf X.

Wie stark die Gemeinschaft bereits gewachsen ist, zeigt ein Blick zurück. 1986 wurden in Bolivien rund 17.500 überwiegend deutschsprachige Mennoniten gezählt. Heute sollen es etwa 150.000 sein. Gleichzeitig geht Fernández-Villaverde davon aus, dass die Gesamtbevölkerung auf absehbare Zeit schrumpft.

Fünf Millionen im Jahr 2116

Schreibt man diese Entwicklung fort, kommt die Modellrechnung zu einem bemerkenswerten Ergebnis. "Die Zahl der Mennoniten wird von derzeit 150.000 auf rund 5 Millionen im Jahr 2116 ansteigen", so der Professor. Seine weitere Schlussfolgerung: "Dann würden sie die Mehrheit der bolivianischen Bevölkerung stellen."

Die Mennoniten sind seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Bolivien heimisch. Ihre protestantische Glaubensgemeinschaft bildete sich ab dem 16. Jahrhundert in Norddeutschland heraus und wurde damals von Adligen verfolgt. Über Russland und Kanada gelangten Mennoniten schließlich nach Südamerika. Bis heute spielt der enge Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft eine wichtige Rolle.

Professor nennt Unsicherheiten

Fernández-Villaverde macht allerdings deutlich, dass seine Berechnung keine sichere Vorhersage ist. So könnten sich die Geburtenraten verändern und der derzeit große Unterschied zur übrigen Bevölkerung kleiner werden.

Hinzu kommt eine weitere Unbekannte: "Viele Mennoniten könnten ihre religiöse Gemeinschaft verlassen", schreibt der Professor. Dadurch könnten Teile der Gemeinschaft in der mehrheitlich spanischsprachigen Bevölkerung aufgehen. Ob Plautdietsch in Bolivien künftig tatsächlich wesentlich stärker verbreitet sein wird, bleibt damit offen.

red,Akt. 30.09.2026, 15:55, 30.09.2026, 15:52