Die Spannungen zwischen Russland und der NATO nehmen weiter zu. Im Mittelpunkt steht diesmal die russische Exklave Kaliningrad an der Ostflanke des Verteidigungsbündnisses.
Russland hat der NATO ein informelles Schreiben übermittelt. Darin wirft Moskau dem Bündnis eine "beispiellose Eskalation der militärisch-politischen Lage" rund um Kaliningrad vor.
Besonders brisant: Russland droht für den Fall einer möglichen Isolierung der Exklave mit dem Einsatz seines gesamten militärischen Arsenals. Dabei werden ausdrücklich auch Atomwaffen genannt.
Moskau kritisiert vor allem militärische Aktivitäten des Bündnisses entlang der russischen Westgrenzen. Der eingeschlagene Kurs berge laut dem Schreiben die Gefahr eines direkten bewaffneten Konflikts.
Russland warnt dabei auch vor möglichen Angriffen auf Entscheidungszentren in NATO-Staaten. Sollte versucht werden, Kaliningrad vom restlichen Russland zu isolieren, sei Moskau bereit, sämtliche verfügbaren Streitkräfte und Fähigkeiten zur Verteidigung seines Territoriums einzusetzen.
Die NATO bestätigt den Erhalt des Schreibens. Sprecherin Allison Hart weist die Vorwürfe aus Moskau zurück. Das Bündnis sei defensiv ausgerichtet, Übungen und andere Aktivitäten würden keine Gefahr für russisches Territorium darstellen.
Gleichzeitig findet das Bündnis deutliche Worte für die russische Drohung. Die Androhung von Gewalt und insbesondere die nukleare Rhetorik würden scharf verurteilt. Russland wurde zudem erneut aufgefordert, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden.
Hintergrund der neuen Spannungen dürfte unter anderem ein NATO-Luftmanöver von Mitte August sein. Dabei sollte nach Angaben aus Militärkreisen demonstriert werden, dass das Bündnis im Fall eines russischen Angriffs auf NATO-Gebiet in der Lage wäre, Kaliningrad zu kontrollieren.
Kaliningrad liegt zwischen den NATO-Staaten Polen und Litauen an der Ostsee und besitzt keine direkte Landverbindung zum russischen Kernland.