Während Nato-Staaten in der Ostsee den Ernstfall proben, richtet sich der Blick auf Russlands Nordwesten. Dort sollen laut einem Bericht zusätzliche Krankenhausbetten für verwundete Soldaten vorbereitet werden.
Das russische Medium "Volya" berichtet laut "Bild" unter Berufung auf Kreise im russischen Verteidigungsministerium, dass zivile Krankenhäuser im Herbst 2026 zusätzlich 16.000 Betten für Militärpatienten bereitstellen sollten. Eine weitere Quelle habe sogar von 20.000 Betten gesprochen. Unabhängig bestätigt sind diese Angaben bislang nicht.
Parallel dazu üben Deutschland und Schweden auf Gotland die schnelle Verstärkung der strategisch wichtigen Insel. Bei der NATO-Übung "Silver Wotan" werden seit Mitte September Kräfte zu Land, zu Wasser und in der Luft verlegt. Am Freitag landeten deutsche Soldaten im Hafen von Visby. Auch Schiffsabwehrsysteme sollen auf die Insel gebracht werden.
Gotland gilt im Ostseeraum als besonders wichtig. Wer die Insel kontrolliert, kann die Bewegungsfreiheit in der Ostsee und die Versorgung der baltischen Staaten beeinflussen. Die Bundeswehr spricht deshalb von einem "Schlüsselterrain" für die Nato.
Sicherheitsexperte Nico Lange warnt davor, die russischen Aktivitäten nur mit dem Krieg gegen die Ukraine zu erklären. Russland baue "Infrastrukturen und militärische Strukturen an seiner Westgrenze ständig aus", sagt Lange. Dazu gehörten auch Lazarette und Militärkrankenhäuser.
Seine Einschätzung fällt deutlich aus: "Wir sollten uns nicht damit beruhigen, dass wir uns einreden, es ginge Putin nur um die Ukraine." Lange verweist auf russische Aktivitäten im Ostseeraum, GPS-Störungen, Luftraumverletzungen und das Auftreten gegenüber den baltischen Staaten und Polen. Auch die russische Exklave Kaliningrad spiele dabei eine zentrale Rolle.
Auch der CDU-Außen- und Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter hält die Meldung für relevant, betont aber, dass er sie derzeit nicht unabhängig überprüfen könne. Er zieht Parallelen zu Hinweisen aus den Jahren 2021 und 2022, als Russland im Zusammenhang mit einer angeblichen Übung unter anderem große Mengen Blutkonserven und mobile Krematorien verlegt haben soll.
Kiesewetter nennt drei mögliche Erklärungen: Die zusätzlichen Betten könnten mit dem Krieg gegen die Ukraine zusammenhängen, eine Vorbereitung auf eine Eskalation gegen einzelne Nato-Staaten sein oder als Signal dienen, um den Westen zu verunsichern. "Es ist auch eine Kombination vorstellbar", sagt Kiesewetter.