Geld, Affären und der unbedingte Wille, an der Macht zu bleiben: Ein Buch der russischen Investigativjournalisten Roman Badanin und Mikhail Rubin beschäftigt sich ausführlich mit Wladimir Putins Leben abseits seiner öffentlichen Inszenierung.
Für "Der Zar persönlich" haben die beiden Autoren nach eigenen Angaben über Jahre Material gesammelt und mit zahlreichen Personen gesprochen. Badanin und Rubin sind Mitgründer des unabhängigen russischen Mediums "Proekt". Beide leben mittlerweile im Exil.
Die zentrale These der Autoren: Hinter dem vom Kreml gepflegten Bild des konservativen Staatschefs und Verteidigers traditioneller Werte stehe ein deutlich anderes System. Putin sei ihrer Einschätzung nach weniger von einer festen Ideologie als von Machterhalt, Loyalität und Kontrolle geprägt.
Offiziell weist Putin seit Jahren vergleichsweise überschaubare Vermögenswerte aus. Badanin und Rubin behaupten jedoch, dass sein tatsächlicher Reichtum über Vertraute, Firmenkonstruktionen und Strohmänner verschleiert werde.
Als Beispiel führen sie unter anderem das russische Gasgeschäft an. 2009 sollen 25 Prozent des Unternehmens Yamal LNG an Pjotr Kolbin gegangen sein, einen langjährigen Bekannten Putins. Die Autoren sehen darin ein Beispiel dafür, wie wertvolle Vermögenswerte Personen aus Putins Umfeld zugutekommen konnten, ohne direkt auf den Präsidenten zu laufen.
Auch der bekannte Luxuskomplex bei Gelendschik am Schwarzen Meer spielt in dem Buch eine Rolle. Die Verbindung des riesigen Anwesens zu Putin sei über wechselnde Eigentümer, Firmen und kremlnahe Geschäftsleute verschleiert worden, schreiben die Journalisten.
Besonders ausführlich beschäftigen sich Badanin und Rubin auch mit dem weitgehend abgeschirmten Privatleben des russischen Präsidenten. Putins Ehe mit Ljudmila Putina wurde 2013 offiziell geschieden. Nach Darstellung der Autoren soll die Beziehung allerdings bereits lange davor zerrüttet gewesen sein.
Das Buch greift zudem Berichte über mutmaßliche Beziehungen zu anderen Frauen auf. Genannt werden unter anderem Swetlana Kriwonogich und die frühere rhythmische Sportgymnastin Alina Kabajewa. Vermögenswerte und Immobilien sollen dabei laut den Recherchen der Autoren teilweise über Personen aus Putins Umfeld organisiert worden sein.
Die Journalisten sehen darin einen Widerspruch zur politischen Betonung sogenannter traditioneller Werte in Russland. Die privaten Verhältnisse der Mächtigen würden dem öffentlich propagierten Gesellschaftsbild nicht immer entsprechen, lautet ihre These.
Auch Putins Zeit in St. Petersburg in den 1990er-Jahren wird beleuchtet. Damals war er in der Stadtverwaltung tätig. Laut Badanin und Rubin soll Putin das "Luna", eine Mischung aus Restaurant und Strip-Lokal, regelmäßig genutzt haben. Es habe zeitweise sogar als eine Art inoffizieller Treffpunkt gedient.
Das Buch zeichnet zudem das Bild eines Präsidenten, der persönliche Finanzen streng von seinem unmittelbaren Familienumfeld abschirme. Partnerinnen oder mutmaßlichen Kindern soll Putin demnach kein Vermögen direkt übertragen haben. Kosten und Geschenke seien laut den Autoren stattdessen von Vertrauten übernommen worden.
Badanin und Rubin beschreiben außerdem drei wichtige Gruppen im Umfeld des Präsidenten: Weggefährten aus St. Petersburg, frühere Kollegen aus KGB und FSB sowie Bekannte aus dem Judo- und Sambo-Umfeld.
Das Prinzip dahinter sei nach Einschätzung der Autoren simpel: Loyalität werde mit Einfluss und wirtschaftlichen Möglichkeiten belohnt. Gleichzeitig müsse dieses System möglichst diskret bleiben.
Auch Putins Verhalten seit der Corona-Pandemie wird thematisiert. Die Autoren berichten von strengen gesundheitlichen Vorsichtsmaßnahmen und einem medizinischen Team, das ihn auf Reisen begleiten soll. Aus diesen Beobachtungen leiten sie auch eine starke Sorge vor Kontrollverlust ab.