Der Eurovision Song Contest begeistert jedes Jahr ein Millionenpublikum und gilt als die größte Unterhaltungsshow der Musikwelt. 2025 verfolgten rund 160 Millionen Menschen das Finale und auch für 2026 war die Erwartungshaltung enorm. Schon in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kritik, der Wettbewerb entferne sich zu sehr von seinem unpolitischen Anspruch. Nun aber steht der ESC vor einer Zerreißprobe, die seine Zukunft infrage stellt.
Mit dem angekündigten Boykott mehrerer Länder stellt sich nun die Frage, ob der Contest in dieser Form überhaupt noch Sinn ergibt. Hintergrund ist die Entscheidung, eine Teilnahme Israels erneut zuzulassen. Das Land befindet sich seit Oktober 2023 im militärischen Konflikt mit der Terrororganisation Hamas und steht wegen des Vorgehens im Gazastreifen international stark unter Druck.
Am Donnerstag bestätigte die Europäische Rundfunkunion, dass Israel beim kommenden Wettbewerb antreten darf. Die Reaktion darauf fiel heftig aus. Mehrere große Sender in Europa erklärten, dass sie sich nicht beteiligen wollen. Sogar Spanien, ein Land, das zu den "Big Five" und somit zu den wichtigsten Geldgebern zählt, sowie Irland, die Niederlande und Slowenien haben ihren Boykott bereits beschlossen. Weitere Länder, darunter Belgien, Island, Schweden und Finnland, prüfen einen ähnlichen Schritt.
Auch die Fans zeigen sich gespalten, während einige der Entscheidung bezüglich der Teilnahme Israels applaudieren, zeigen sich andere entsetzt. In dieser aufgeheizten Situation bekommt das Motto "United by Music" einen bitteren Beigeschmack. Eigentlich soll es für Zusammenhalt stehen, doch angesichts der massiven Spaltung innerhalb Europas wirkt der Slogan plötzlich wie ein Versprechen, das der Wettbewerb kaum noch einlösen kann.
Die Spaltung unter den Mitgliedern der Europäischen Rundfunkunion wird immer deutlicher. Der irische Sender RTÉ erklärte, eine Teilnahme sei wegen der humanitären Lage in Gaza nicht vertretbar. Der Chef des spanischen Rundfunks RTVE ging noch weiter und sagte, der Wettbewerb werde durch geopolitische Interessen geprägt.
Aus Deutschland kam dagegen Zustimmung. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagte gegenüber "Bild", Israel gehöre zum ESC wie Deutschland zu Europa und er begrüße die weitere Teilnahme.
Israel selbst reagierte dankbar. Staatspräsident Izchak Herzog sagte, sein Land verdiene es, auf allen Bühnen vertreten zu sein. Er sprach von Solidarität und Verbundenheit. Außenminister Gideon Saar äußerte, er schäme sich für Länder, die den Wettbewerb aus Protest boykottieren.