"Blöde Leute gibt es immer"

Israelin bei Olympia: "Haben eigenen Sicherheitsdienst"

Noa Szöllös startet für Israel, trainiert in Österreich und steht bei Olympia unter besonderer Beobachtung. Auch in den sozialen Medien.
Georg Steinschnack
19.02.2026, 13:00
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In der Theorie sollen Sport und Politik voneinander getrennt bleiben. Bei Olympischen Spielen zeigt sich jedoch immer wieder, wie schwer das in der Praxis umzusetzen ist. Jüngstes Beispiel war die Diskussion um die Disqualifikation des ukrainischen Skeleton-Athleten Wladyslaw Heraskewytsch aufgrund seines Helms. Auch israelische Athletinnen und Athleten stehen seit dem Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober 2023 verstärkt im Fokus. In Cortina sorgten zuletzt Aussagen eines Schweizer Kommentators für Kritik. Er hatte dem israelischen Skeletoni Adam Edelman vorgeworfen, einen "Genozid in Gaza" zu befürworten.

Für positive Schlagzeilen will hingegen die Skirennläuferin Noa Szöllös sorgen. Die 23-Jährige wurde in Ungarn geboren, wuchs in der Steiermark auf und startet aufgrund der israelischen Abstammung ihres Vaters für Israel. Peter Szöllös, selbst ehemaliger Skirennläufer, finanziert auch ihre Karriere. Die Familie besitzt ein Unternehmen für industrielle Messgeräte – eine wirtschaftliche Basis, die den Leistungssport ermöglicht. Trainiert wird Szöllös vom Burgenländer Michael Stocker, einem ehemaligen Grasski-Weltmeister, der sie seit sieben Jahren betreut. Auch ihre Brüder Barnabás und Benjamin sind als Skirennläufer aktiv.

Eigenes Sicherheitsprotokoll

In Cortina steht Szöllös – wie alle israelischen Athletinnen und Athleten – unter erhöhtem Sicherheitsaufgebot: "Seit dem Anschlag 1972 in München, bei dem am 5. September palästinensische Terroristen elf israelische Sportler töteten, gibt es für uns ein eigenes Sicherheitsprotokoll. Bei solchen Großereignissen haben wir immer eigenes Sicherheitspersonal – man gewöhnt sich daran."

Nicht nur vor Ort ist die Situation besonders. Auch in den sozialen Medien erlebt Szöllös eine andere Realität als viele ihrer Konkurrentinnen. "Was man schon merkt, ist, dass seit dem 7. Oktober die antisemitischen Nachrichten, die ich erhalte, zugenommen haben. Vor allem, wenn ich erfolgreich bin. Aber was soll ich sagen – dumme Leute hat es schon immer gegeben", erklärt die 23-Jährige. Sportlich setzte sie zuletzt ein Ausrufezeichen, als sie im Weltcup in Kranjska Gora mit Startnummer 70 erstmals in die Punkte fuhr. Im Kreis der Athletinnen und Athleten spiele ihre Herkunft hingegen keine Rolle. "Die kennen mich alle schon so lange und wissen, wer ich bin. Da ist es komplett egal, woher ich komme."

Blick in die Zukunft

Mit ihrer Teilnahme steht Szöllös auch in einer besonderen Tradition in Budapest geborener jüdischer Olympiasieger. Bereits bei den ersten Olympischen Spielen 1896 in Athen gewann Alfréd Hajós zwei Goldmedaillen im Schwimmen. Jahrzehnte später holte die ebenfalls in Budapest geborene Agnes Keleti in den 1950er-Jahren fünf olympische Goldmedaillen. "Ich habe davon gehört, und es war auch Thema. Ich bin stolz, dass ich diese Tradition fortführen darf, auch wenn sie bisher vor allem bei den Sommerspielen eine Rolle gespielt hat."

Doch werden diese Winterspiele in Israel überhaupt wahrgenommen? Wer sich mit israelischen Journalisten unterhält, hört oft eine nüchterne Antwort: eher wenig. Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober 2023 steht der Konflikt im Land klar im Vordergrund. Auch Szöllös sieht das so: "In Israel selbst kennen sich leider nicht viele Leute im Wintersport aus. Aber mir schreiben extrem viele Juden aus anderen Ländern. Vor allem aus Nordamerika habe ich viele Nachrichten bekommen, wie super sie es finden, dass ich für Israel fahre." Selbst ist sie nur einmal im Jahr in Israel. "Da haben wir unsere Testungen im olympischen Zentrum. Ich würde gerne öfter dort sein, aber die Situation vor Ort lässt es einfach nicht zu."

Sportlich verlief Cortina durchwachsen. Nach Rang 35 im Riesentorlauf schied sie im Slalom aus – eine Entwicklung, die sie bereits geahnt hatte. "Den ganzen Tag war ich schon verwirrt", lacht Szöllös. Ihre Ziele bleiben dennoch klar formuliert. "Ich möchte weiter Weltcup-Punkte sammeln und in die Top 30 der Startliste kommen. Das ist mein Ziel für nächstes Jahr – und danach schauen wir, wie es sich entwickelt."

{title && {title} } gst, {title && {title} } Akt. 19.02.2026, 16:41, 19.02.2026, 13:00
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