Als Mikaela Shiffrin ins Ziel einfährt, ist es mehr als nur ein weiterer Olympiasieg. Nach ihrer Nullnummer in Peking beendet die US-Amerikanerin in Cortina d’Ampezzo ihre Durststrecke und holt sich in beeindruckender Manier Slalom-Gold. Zwölf Jahre nach ihrem ersten Triumph wiederholt sie den Olympiasieg – das war zuvor noch niemandem gelungen. Es ist ihr drittes Gold bei Winterspielen. Mit dieser Fahrt schließen sich die alpinen Bewerbe. Und es wird spürbar, dass sich auch diese Spiele dem Ende zuneigen.
Noch rasch Interviews in der Mixed Zone, letzte Stimmen der ÖSV-Damen, ein Blick auf die Anzeigetafel – dann beginnt das Zusammenpacken. Vierzehn Tage zwischen Bobbahn, Tofana und Curling-Stadion. Vierzehn Tage zwischen Goldtränen, Stürzen, Regelstreitigkeiten und stillen Kaffeehausmomenten im Norden der Stadt. Olympische Spiele sind ein Dauerzustand aus Aufregung und Geduld zugleich.
Nicht alles war perfekt. Es gab Baustellen, organisatorische Fragezeichen, halbleere Tribünen und Diskussionen, die größer wurden, als sie es vielleicht hätten sein müssen. Es gab Momente, in denen der olympische Geist eher beschworen als gelebt wurde. Und doch gab es sie immer wieder, diese Szenen, die bleiben: Janine Flocks Erlösung im Eiskanal. Eine 47-jährige Sarah Schleper, die gemeinsam mit ihrem Sohn Geschichte schreibt. Jamaikanische Bobfahrer, die von 2030 träumen. Deutsche und Schweden, die einen Konflikt mit einem Lächeln lösen.
Vielleicht liegt genau darin die Essenz dieser Spiele. Sie waren nicht makellos, aber sie bemühten sich, echt zu sein. Zwischen Glanz und Improvisation, zwischen Weltpresse und Kuhglocken, zwischen großen Inszenierungen und leisen Momenten. Ein Kindheitstraum, der sich erfüllt hat – nicht nur für Athletinnen und Athleten, sondern auch für all jene, die diese Spiele Tag für Tag begleiten durften.
Am Ende fährt Shiffrin über die Ziellinie. Damit schließt sich ein Kreis. Mit der Schlussfeier am Sonntag zieht Olympia nach Los Angeles 2026 weiter. Die Erinnerungen bleiben.