Nach dem Tod eines 18-jährigen Schülers durch einen 19-jährigen Kameraden an einer Berufsschule in La Spezia (Ligurien) vor zwei Wochen hat die italienische Regierung angekündigt, gegen den Kauf, Verkauf und Besitz von Stichwaffen vorzugehen. Der Tod des Schülers war nur der Höhepunkt einer langen Reihe von Vorfällen mit Messern vor und an Schulen in den letzten Jahren.
"An vielen Schulen fordern die Schüler selbst mehr Kontrollen", erklärte Infrastruktur- und Verkehrsminister Matteo Salvini, der von 2018 bis 2019 bereits Innenminister war, dem italienischen Fernsehsender Rete4 am Dienstag der Vorwoche.
„Wenn jemand mit einer 20 Zentimeter langen Klinge das Haus verlässt und damit zur Schule geht, dann stimmt etwas ganz klar nicht“Matteo SalviniMinister für Infrastruktur und Verkehr
Dabei zog er auch den Einsatz von Metalldetektoren in Erwägung. "Ich halte das für absolut sinnvoll. Das sage ich als Vater, nicht nur als Minister", so der Regierungspolitiker von der rechtsgerichteten Lega Nord. „Schulen müssen beaufsichtigt und geschützt werden. Wenn Metalldetektoren benötigt werden, werden wir sie dort einsetzen, wo sie gebraucht werden", fügte er hinzu.
Nun erging ein gemeinsames Rundschreiben von Bildungsminister Giuseppe Valditara und Innenminister Matteo Piantedosi an alle italienischen Schulen, das den Einsatz von mobilen, also nicht fest und dauerhaft installierten Metalldetektoren, an den Eingängen ausdrücklich gestattet.
Damit eine Schule diese Maßnahme umsetzen kann, muss sie nun einen Antrag vom für die Region zuständigen Regierungspräfekten beantragen. Dieser darf seine Zustimmung nur in "besonders schwerwiegenden Situationen" genehmigen, also wenn bereits Gewaltvorfälle dokumentiert sind und die Schule als gefährlich gilt.
Schließlich dürfen die Kontrollen nur von "Strafverfolgungsbehörden" umgesetzt werden und nicht an Mitarbeiter der Schule übertragen werden. Hintergrund für diese Entscheidung ist sicher auch ein Vorfall im Vorjahr an einer Mittelschule in Frankreich, als ein 15-jähriger Schüler eine 31-jährige Lehrassistentin, die seine Tasche kontrollieren sollte, mit einem Messer tötete.
Daher sollen in Italien nur Polizisten mit den Kontrollen betraut werden. Daher wird sich die Zahl der Schulen mit Metalldetektoren wahrscheinlich auch in Zukunft in Grenzen halten, da aus Personal- und Budgetgründen nicht für jede Schule Sicherheitsbeamte abgestellt werden können.
Tatsächlich sind Metalldetektoren an einigen Schulen bereits Realität. Am Marie-Curie-Institut in Ponticelli, einem Vorort von Neapel, werden sie bereits seit Anfang 2025 eingesetzt. "Stichprobenartig" und durch die Polizei, wie Direktorin Valeria Pirone in italienischen Medien erzählt. Ihren Angaben zufolge würden viele Schüler in der nicht besonders gut beleumundeten Gegend Messer mit sich führen. Nach einem Vorfall mit Messern an ihrer Schule vor zwei Jahren sprach sie sich für diese Maßnahme aus.
„Ich selbst habe die stichprobenartigen Kontrollen selbst beantragt. Ich weiß selber nicht, an welchen Tagen sie durchgeführt werden“Valeria PironeDirektorin des Marie-Curie-Instituts in Ponticelli
Ihrer Ansicht nach ist das Phänomen aber nicht nur auf vermeintlich "schwächere" Bevölkerungsgruppen beschränkt. Vielmehr sei das Messer zu einer Art Status- oder Zugehörigkeitssymbol geworden, quer durch alle Bevölkerungsschichten.
Der Personalaufwand der Polizei für die Kontrollen hält sich in Grenzen. "In diesem Schuljahr gab es erst zwei Kontrollen, das letzte Mal vor den Weihnachtsferien", sagte die Schulleiterin in einem aktuellen Interview. Dabei wurde kein einziges Messer entdeckt. "Nach den ersten paar Kontrollen kamen einige Schüler zu mir und bedankten sich, weil sie keine Angst mehr hatten, mit Messern bedroht zu werden", erzählt Pirone.
Gleichzeitig warnt Pirone davor, Metalldetektoren als Allheilmittel für soziale und gesellschaftliche Probleme zu betrachten. "Es ist nicht die einzige Maßnahme; wir müssen stets alle möglichen Lösungen prüfen", betont sie.