Italien verschärft seine ohnehin strengen Verkehrsregeln weiter. Nach der im Vorjahr beschlossenen Reform kommen noch heuer neue Bestimmungen bei Parken, E-Scootern und Müllsündern hinzu. Für Autofahrer und Urlauber können Verstöße teuer werden. Rund 1,8 Milliarden Euro nimmt der italienische Staat jährlich durch Bußgelder ein.
Besonders drastisch sind die Strafen für Umweltsünder. Wer Zigarettenkippen, Taschentücher oder Plastikflaschen aus dem Auto wirft, riskiert bis zu 1.188 Euro. Bei einem ganzen Müllsack oder einer brennenden Zigarette, die einen Brand verursacht, sind bis zu 18.000 Euro möglich. In Naturschutzgebieten drohen zusätzlich Führerscheinentzug und Haft – auch Ausländern. In Vorbereitung sind außerdem 1.000 Euro Strafe für Feuer in Straßennähe sowie 160 Euro für das Behindern von Fußgängern mit E-Scootern oder das Fahren mit zwei- oder dreirädrigen Fahrzeugen auf Gehwegen.
Auch in blauen Parkzonen gelten neue Vorgaben. Bei 30 Minuten Parkdauer beträgt die Toleranz drei Minuten, bei einer Stunde sechs und bei zwei Stunden zwölf Minuten. Danach werden mindestens 42 Euro und der komplette Tagestarif fällig. Selbst ein leicht geöffnetes Autofenster kann teuer werden: In Vicenza erhielt ein Lenker dafür 42 Euro Strafe. Auch im Fahrzeug zurückgelassene Schlüssel können beanstandet werden.
Beim Telefonieren oder Chatten am Steuer drohen 250 bis 1.000 Euro und beim ersten Verstoß eine Woche Führerscheinentzug. Beim zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren steigt die Strafe auf bis zu 1.400 Euro, der Schein kann bis zu drei Monate weg sein. Dazu kommen acht bis zehn Strafpunkte.
Bei Alkohol am Steuer reichen die Strafen je nach Promillewert von 573 bis 6.000 Euro. Ab 0,8 Promille können zudem Haftstrafen verhängt werden, ab 1,5 Promille drohen sechs bis zwölf Monate Haft und ein Führerscheinentzug von ein bis zwei Jahren. Zusätzlich kann die Polizei den Einbau eines Alcolocks auf Kosten des Fahrers anordnen. Bei Drogen am Steuer ist nach einem positiven Schnelltest der Führerschein automatisch drei Jahre weg, beim zweiten Mal lebenslang.
Wer mehr als zehn km/h zu schnell fährt, zahlt zwischen 173 und 694 Euro. Bei schweren Überschreitungen steigen die Strafen auf bis zu 3.300 Euro, zusätzlich kann der Führerschein für sechs bis zwölf Monate entzogen werden. Fahranfänger dürfen drei Jahre lang keine Fahrzeuge mit mehr als 75 kW, rund 100 PS, lenken.
Für E-Scooter sind neuerdings Kennzeichen, Helm und Versicherung vorgeschrieben. Zudem gelten Einschränkungen auf Radwegen, in Fußgängerzonen und außerhalb städtischer Straßen. Geparkt werden darf künftig nur in von den Gemeinden ausgewiesenen Bereichen. Falschparken auf Behindertenplätzen oder bei Öffi-Haltestellen kostet bis zu 660 Euro. Wer ohne Versicherung fährt, riskiert zwischen 1.000 und 3.471 Euro sowie die Beschlagnahme des Fahrzeugs.
Bei Fahrerflucht kann der Führerschein auf Lebenszeit entzogen werden. Für eine Tötung im Straßenverkehr drohen zwei bis sieben Jahre Haft, in besonders schweren Fällen acht bis zwölf Jahre.
Auch beim Tierschutz zieht Italien die Regeln an. Wer ein Haustier auf der Straße aussetzt, riskiert sechs Monate bis ein Jahr Führerscheinentzug. Führt das zu einem Unfall mit Verletzten oder Toten, drohen bis zu sieben Jahre Haft. Für das Töten eines Tieres sind bis zu drei Jahre, bei besonderer Grausamkeit bis zu vier Jahre Haft sowie Geldstrafen von bis zu 60.000 Euro vorgesehen. Tiermisshandlung kann mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Beim illegalen Handel mit Welpen ohne Mikrochip und Pass drohen bis zu 30.000 Euro und 18 Monate Haft.