Nach dem Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin wächst die Sorge vor ähnlichen Taten in Österreich. Der Terrorismus-Experte Guido Steinberg sieht eine vergleichbare Bedrohungslage und warnt davor, dass "jederzeit" mit einem ähnlichen Anschlag gerechnet werden müsse.
Bei dem Anschlag am Samstagabend wurde eine Frau getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der Polizei befinden sich inzwischen alle Verletzten außer Lebensgefahr.
Steinberg verweist darauf, dass es bereits Verdächtige gegeben habe, die einen ähnlichen Anschlag auf die Pride Parade in Wien geplant haben sollen. Das Phänomen beobachte er seit dem Jahr 2022: Demnach würden sich Einzeltäter durch Propaganda der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) radikalisieren und teilweise über soziale Medien Kontakt zu Anschlagsplanern halten.
Nach Einschätzung des Experten seien inzwischen nicht mehr Frankreich und Großbritannien die am stärksten betroffenen Länder. Besonders Österreich und Deutschland würden eine deutlich höhere Zahl an Anschlägen und vereitelten Anschlagsplänen verzeichnen als andere Nachbarstaaten.
Als Gründe nennt Steinberg unter anderem eine größere Zahl an Dschihadisten sowie Flüchtlingsbewegungen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Zudem gebe es eine zweite Gruppe sehr junger Menschen muslimischer Herkunft, die sich nach dem Niedergang des IS radikalisiert habe.
Der Experte spricht sich für stärkere Präventionsmaßnahmen aus. Dazu gehörten seiner Ansicht nach eine genaue Kontrolle, wer in die Länder einreise, leistungsfähige Nachrichtendienste sowie ein weiterer Ausbau der Sicherheitsbehörden. Außerdem fordert er mehr Observationskräfte. In Wien reichten die vorhandenen Kapazitäten derzeit nur für einen Bruchteil jener Personen aus, die als gefährlich eingestuft würden. Insgesamt müsse die Sicherheit im Inland weiter gestärkt werden.