Wenn eine Mutter ihr Kind verliert, bleiben Worte oft zu wenig. Brigitta S. will trotzdem nicht schweigen. Die Mutter des Femizidopfers Jennifer S. geht bei der Solidaritätswanderung "Gehen gegen Gewalt" mit und setzt damit gemeinsam mit vielen anderen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.
Dass auch Brigitta S. mitgeht, verleiht der Aktion eine besondere Bedeutung. Ihre Tochter Jennifer wurde Opfer eines Femizids. Nun ist ihre Mutter Teil einer Initiative, die Gewalt nicht im Verborgenen lassen will.
Von 10. bis 13. September 2026 führt die Wanderung durch das Weinviertel. Vier Tage lang geht es von Mistelbach über Asparn an der Zaya, Ernstbrunn, Großrußbach, Karnabrunn, Niederhollabrunn, Leitzersdorf, Stockerau und Leobendorf bis zum Michelberg.
Mitgehen kann jeder – eine komplette Etappe, einige Kilometer oder nur ein kurzes Stück. Auch Männer sind ausdrücklich willkommen.
"Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist keine Privatsache. Wir wollen das Thema dorthin tragen, wo Menschen leben und einander begegnen – in die Gemeinden und in den öffentlichen Raum", sagt Manuela Kräuter, Geschäftsführerin von FRAUEN FÜR FRAUEN Weinviertel.
Begleitet wird die Wanderung von einem umfangreichen Programm mit Gesprächen, Begegnungen, Lesungen, Musik und Kunst. Auch Nicole Dill sowie Renate Hofer, Überlebende eines versuchten Femizids, und Maria Rösslhumer, langjährige Gewaltschutzexpertin, sind Teil des Begleitprogramms.
Wer nicht im Weinviertel dabei sein kann, muss trotzdem nicht außen vor bleiben. Über eine digitale Schritte-Challenge können Menschen in ganz Österreich mitmachen – beim Spaziergang, auf dem Arbeitsweg, beim Wandern oder gemeinsam mit Freunden und als Team.
"Es geht nicht um sportliche Leistung. Jeder Schritt ist ein sichtbares Zeichen für Solidarität und Zivilcourage. Wir wollen gemeinsam zeigen: Wir schauen hin und wir akzeptieren Gewalt nicht", so Kräuter.
Zum Abschluss wartet am Michelberg eine besondere Kunstaktion. Der Künstler Stefan Klampfer setzt dort seine Intervention "Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird sichtbar" um. Im Vorfeld entstandene Tonfiguren werden dabei symbolisch vergraben – als Auseinandersetzung mit Gewalt, die häufig verborgen, verschwiegen oder tabuisiert wird.
Vier Tage lang wird so aus vielen einzelnen Schritten ein gemeinsames Signal: Gewalt gegen Frauen und Mädchen soll nicht unsichtbar bleiben.