Die junge Generation in Österreich blickt differenziert auf ihre Zukunft – und überraschend offen auf ein politisch oft polarisiertes Thema. Laut der Ö3-Jugendstudie 2026 sind 64 Prozent der 16- bis 25-Jährigen der Meinung, dass Österreich ohne Zuwanderung schlechter dastehen würde.
Inmitten hitziger gesellschaftlicher Debatten markiert dieser Wert eine klare Haltung: Migration wird von vielen nicht als Bedrohung, sondern als notwendiger Bestandteil einer funktionierenden Gesellschaft gesehen.
Die Ergebnisse basieren auf einer breit angelegten Online-Befragung mit rund 20.000 Teilnehmern, davon 13.500 in der Kernzielgruppe. Über vier Wochen hinweg wurden junge Menschen zu ihren Lebensrealitäten, Zukunftsplänen und politischen Einstellungen befragt. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist vielschichtig: Die Gen Z zeigt sich einerseits optimistisch und gestaltungswillig, andererseits aber auch wachsam gegenüber gesellschaftlichen Fehlentwicklungen.
Gerade beim Thema Zuwanderung zeigt sich dieser differenzierte Blick. Während 73 Prozent der Befragten insgesamt Handlungsbedarf in diesem Bereich sehen, bedeutet das nicht automatisch Ablehnung. Vielmehr scheint es der Wunsch nach klaren Regeln, Integration und funktionierenden Systemen zu sein, der mitschwingt. Die Mehrheit erkennt gleichzeitig den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen von Migration – eine Haltung, die sich auch in anderen Antworten widerspiegelt, etwa beim Wunsch nach europäischer Zusammenarbeit, den 89 Prozent befürworten.
Parallel dazu benennt die Gen Z aber auch ihre größten Sorgen: 40 Prozent fürchten, künftig nicht genug Geld zu haben, 31 Prozent sehen leistbaren Wohnraum als Problem, und 27 Prozent sorgen sich vor sozialen Unruhen. Diese Unsicherheiten prägen den Blick auf politische Themen – auch auf Migration, die oft mit wirtschaftlichen Fragen verknüpft wird.
Bemerkenswert ist dabei die grundsätzliche Offenheit der jungen Generation. 82 Prozent geben an, andere Meinungen gut akzeptieren zu können, und 74 Prozent interessieren sich für Politik. Gleichzeitig fühlt sich ein Großteil von der Politik nicht ausreichend vertreten. Die Studie deutet damit auf ein Spannungsfeld hin: großes Interesse und Diskussionsbereitschaft auf der einen Seite, Frustration über fehlende Mitsprache auf der anderen.
Auch in anderen Bereichen zeigt sich der Wunsch nach Veränderung. In der Schule fordern 87 Prozent mehr Raum für Diskussionen, 96 Prozent wünschen sich mehr alltagsrelevantes Wissen. In der Arbeitswelt stehen Sicherheit, Sinn und Wertschätzung im Vordergrund. Und bei Zukunftsfragen wie Energie setzt die Gen Z klar auf erneuerbare Quellen – bei gleichzeitiger pragmatischer Einschätzung bestehender Abhängigkeiten.
Trotz aller Herausforderungen bleibt das Gesamtbild positiv: 87 Prozent der Befragten sind mit ihrem Leben zufrieden, 86 Prozent blicken optimistisch auf ihre persönliche Zukunft. Diese Zuversicht gepaart mit kritischem Denken könnte entscheidend sein – gerade in Debatten wie jener um Zuwanderung, die oft emotional geführt werden.