Laute Schreie, aufgedrehte Musik und Botschaften an Gefängnisinsassen: Rund um die Justizanstalt Münnichplatz in Wien-Simmering liegen bei manchen Anrainern die Nerven blank. Immer wieder versammeln sich junge Burschen und Mädchen im angrenzenden Hans-Paulas-Park, um mit inhaftierten Freunden Kontakt aufzunehmen.
Die Beschwerden haben mittlerweile Konsequenzen. Polizei und Justizministerium haben mehrere Maßnahmen beschlossen, um die Situation zu beruhigen.
Die Justizanstalt Münnichplatz bietet Platz für 71 jugendliche Häftlinge. Hohe Mauern, Stacheldraht und vergitterte Fenster trennen die Insassen von der Außenwelt.
Das hält manche Jugendliche offenbar nicht davon ab, mit Bekannten hinter den Mauern zu kommunizieren. Wie der "Kurier" berichtet, kommen immer wieder Gruppen zum Gefängnis und rufen lautstark zu den Fenstern hinauf.
Bei einem Lokalaugenschein waren drei junge Burschen entlang der Gefängnismauer unterwegs. Einer von ihnen richtete sein Handy auf das Gebäude.
Im benachbarten Park sollen sich in den vergangenen Monaten regelmäßig Jugendliche versammelt haben. Auf Mauern und Betonpflöcken finden sich zudem Botschaften an die Häftlinge.
Für die Bewohner der umliegenden Häuser sind die Treffen zunehmend zur Belastung geworden.
"Die treffen sich hier und schreien dann so laut, dass man es bis in den Gemeindebau hören konnte, ich wohn' dort in der Nähe", berichtet eine Mutter, die mit ihrem Sohn den Spielplatz im Hans-Paulas-Park besucht, gegenüber der Tageszeitung.
Auch Mädchen hätten immer wieder versucht, mit den Insassen zu sprechen. An einer Steinmauer sei sogar die Liebesbotschaft "Ich liebe Ali" zu lesen.
Die Frau erzählt außerdem von unangenehmen Begegnungen mit den Jugendlichen.
"Ich habe sie dann auch zurechtgewiesen, dass sie ihre Zigaretten nicht dort liegen lassen sollen oder die Musik leiser drehen, aber die haben mich dann sehr angestänkert. Ich weiß auch nicht, welches Gewaltpotenzial von den Jugendlichen ausgeht", schildert sie im "Kurier".
Die Beschwerden sind auch bei den Behörden angekommen. Die Wiener Polizei bestätigt, dass es vor der Justizanstalt immer wieder Versuche gibt, mit den Häftlingen Kontakt aufzunehmen.
"Es werden wiederholt entsprechende Kontaktaufnahmeversuche festgestellt. Diese werden gegebenenfalls gemäß den Bestimmungen des Strafvollzugsgesetzes angezeigt", erklärt ein Polizeisprecher gegenüber der Tageszeitung.
Bereits im September wurde die Situation bei einem Runden Tisch besprochen. Daran nahmen unter anderem der Generaldirektor für den Straf- und Maßnahmenvollzug, Bezirksvorsteher Thomas Steinhart (SPÖ) sowie der Kommandant der Polizeiinspektion Kaiser-Ebersdorferstraße teil.
Gemeinsam wurden Schritte vereinbart, um die unerlaubten Kontakte zu unterbinden.
Mittlerweile warnen Schilder am Zaun vor den rechtlichen Folgen einer Kontaktaufnahme mit den Gefangenen. Darauf steht: "Die widerrechtliche Kontaktaufnahme zu Insassen der Sonderanstalt für den Jugendvollzug stellt eine Verwaltungsübertretung dar und wird bei Zuwiderhandeln zur Anzeige gebracht".
Zusätzlich sollen Justizwachebeamte den Bereich rund um das Gefängnis stärker kontrollieren. "Zudem wird der Außenbereich der Justizanstalt präventiv und in konkreten Anlassfällen durch Streifen der Justizwache aktiv und sichtbar überwacht werden", erklärt das Justizministerium dem "Kurier".
Auch innerhalb der Anstalt wird reagiert. Sobald ein Häftling von draußen kontaktiert wird, soll er umgehend in einen Haftraum verlegt werden, dessen Fenster zum Innenhof zeigen. Sozialarbeiter versuchen außerdem, mit den Jugendlichen vor dem Gefängnis ins Gespräch zu kommen und die Lage zu entschärfen.
Eine Umgestaltung des Hans-Paulas-Parks ist derzeit nicht vorgesehen. Stattdessen setzen die Verantwortlichen auf Kontrollen und eine engere Zusammenarbeit der beteiligten Stellen.
"Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der verstärkten Präsenz und der Zusammenarbeit der zuständigen Stellen. Eine konkrete Neugestaltung oder Änderung der Nutzung des Parks ist derzeit nicht vorgesehen. Sollte sich aus der weiteren Beobachtung ein entsprechender Handlungsbedarf ergeben, wird dieser geprüft" – das teilte das Büro von Bezirksvorsteher Steinhart dem "Kurier" mit.
Dass die verstärkten Kontrollen zumindest teilweise Wirkung zeigen, bestätigt auch Tamara, die in der Nähe des Gefängnisses einen Friseursalon betreibt. "Man hat das Geschrei der Jugendlichen im ganzen Grätzel gehört. Jetzt ist es ein bisschen ruhiger", erzählt sie in der Tageszeitung.
Allerdings würden manche Jugendliche die Kontrollzeiten der Polizei bereits kennen und sich rechtzeitig entfernen. Die Unternehmerin berichtet zudem von einem Einbruch in ihr Geschäft im Juli. "Am 17. Juli haben drei bei mir eingebrochen. Mit einem Hammer haben sie die Scheibe eingeschlagen und das Geld mitgenommen", schildert Tamara dem "Kurier".
Der Vorfall wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet. Laut der Friseurin sollen zwei der drei mutmaßlichen Täter jünger als 14 Jahre gewesen sein. "Anscheinend waren das Freunde von Gefängnisinsassen, zwei davon waren unter 14. Ich bin wirklich dafür, dass man die Strafmündigkeit senkt. Und auch die Eltern mehr zur Rechenschaft zieht", sagt sie der Tageszeitung.
Ob die mutmaßlichen Einbrecher tatsächlich Verbindungen zu Insassen der Justizanstalt haben, ist nicht unabhängig bestätigt.
Im Umfeld der Justizanstalt ist es durch die verstärkte Polizeipräsenz inzwischen etwas ruhiger geworden. Ganz verschwunden ist das Problem laut Anrainern aber noch nicht.
Die Behörden wollen die Entwicklung deshalb weiter beobachten. Sollten die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, könnte der Bezirk zusätzliche Schritte prüfen.