Hunderte Jugendliche haben sich an den schweren Krawallen in Mailand beteiligt. Viele von ihnen waren noch minderjährig und hatten offenbar keinerlei politische Motive. Über TikTok und andere soziale Netzwerke wurden sie auf die Ausschreitungen aufmerksam und strömten in die Innenstadt.
Wie die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtet, war die Demonstration am Samstag ursprünglich gegen die hohen Lebenshaltungskosten gerichtet. Die Protestbewegung "Italia in Piazza" hatte bereits in anderen Städten zu Kundgebungen aufgerufen, dort allerdings nur wenige Menschen mobilisieren können.
Als in Mailand die ersten Zusammenstöße mit der Polizei begannen, verbreiteten sich die Bilder rasch im Netz. Daraufhin kamen Hunderte weitere Jugendliche ins Zentrum, einige sogar aus Varese und anderen Teilen der Lombardei. Viele waren vermummt, darunter auch zahlreiche Mädchen.
Einige Beteiligte werden der sogenannten "Maranza"-Szene zugerechnet. Die im Raum Mailand bekannte Jugendsubkultur wird häufig mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund, besonders aus Nordafrika, verbunden. Typisch sind Markentrainingsanzüge und auffällige Accessoires. Der Stil ähnelt jenem der "Talahons" im deutschsprachigen Raum. Der Begriff wird oft abwertend verwendet und mit Jugendkriminalität assoziiert.
Die Gewalt richtete sich hauptsächlich gegen die Einsatzkräfte. Pflastersteine flogen, auch Knallkörper und Rauchbomben wurden gezündet. Auffällig: Die randalierenden Gruppen hatten offenbar keine Anführer. Stattdessen filmten viele Jugendliche das Chaos und teilten die Aufnahmen im Internet. Laut "Corriere" orientierten sich manche an den gewaltsamen Protesten in Frankreich.
Studentische Gruppen, die zunächst ebenfalls demonstriert hatten, zogen sich mit Beginn der Ausschreitungen zurück und distanzierten sich von den Randalierern.
Eine gemeinsame politische Botschaft war bei den gewalttätigen Jugendlichen nicht zu erkennen. Was sie laut der italienischen Zeitung vor allem verband, war ihre Wut.