Die außergewöhnliche Hitze dieses Sommers hat in Österreich zahlreiche Wetterrekorde gebrochen. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass am Donnerstag an vielen Messstationen neue Juli-Höchstwerte erreicht wurden. Besonders auffällig: Selbst Wien, das an heiße Sommer längst gewöhnt ist, verzeichnete neue Rekorde. Für viele Menschen war die Hitze nicht nur unangenehm, sondern auch körperlich belastend.
Meteorologe Manuel Oberhuber machte in den sozialen Medien auf die außergewöhnliche Entwicklung aufmerksam. Sein Posting zeigt, dass die Juli-Hitzerekorde an zahlreichen Wetterstationen im ganzen Land gefallen sind. Besonders im Osten Österreichs wurden bisherige Bestmarken vielerorts übertroffen. Auch Wien findet sich auf der Liste der Rekorde – mit einem Juli-Rekordwert von 38,6 Grad in Stammersdorf. Und derzeit sieht alles danach aus, als würden bereits am Freitag die Juli-Rekorde erneut pulverisiert.
Bereits Ende Juni war die Bundeshauptstadt mit außergewöhnlichen Temperaturen in die Wettergeschichte eingegangen. In der Wiener Innenstadt wurden am 28. Juni exakt 40,0 Grad gemessen – erstmals wurde dort die 40-Grad-Marke erreicht. Auf der Hohen Warte stieg die Temperatur auf 39,7 Grad. Dort wurde nicht nur der bisherige Juni-Rekord von 36,1 Grad aus dem Jahr 1950 um 3,6 Grad übertroffen, sondern auch der bisherige Jahresrekord von 38,5 Grad aus dem August 2013.
Die Rekorde beschränkten sich jedoch nicht auf einzelne Orte. Nach Angaben der GeoSphere Austria erreichten 157 von insgesamt 277 Wetterstationen einen neuen Juni-Höchstwert. An 66 Messstationen wurde sogar ein neuer Jahresrekord aufgestellt. Im Durchschnitt lagen die neuen Juni-Höchstwerte um 1,4 Grad über den bisherigen Rekorden. An 46 Stationen betrug der Vorsprung sogar mindestens 2,0 Grad.
Nicht nur tagsüber blieb es außergewöhnlich heiß. Auch in den Nächten kühlte es vielerorts kaum ab. In der Nacht auf den 29. Juni sank die Temperatur auf der Jubiläumswarte in Wien nicht unter 27,3 Grad. Damit wurde der bisherige österreichische Rekord für die wärmste Nacht übertroffen. Der frühere Höchstwert hatte bei 26,9 Grad gelegen und stammte aus dem Jahr 2017. Zeitweise wurden an 94 Wetterstationen sogenannte Tropennächte registriert, bei denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fiel.
Für viele Menschen bedeutete die lang anhaltende Hitze eine enorme Belastung. Laut GeoSphere Austria war nicht allein die Höchsttemperatur entscheidend. Besonders fordernd sei gewesen, dass sich die Hitzewelle über einen ungewöhnlich langen Zeitraum erstreckte. Je nach Region gab es zwischen zehn und 14 Hitzetage in Folge mit mindestens 30 Grad. Eine derart lang anhaltende Hitzewelle im Juni habe es in diesem Ausmaß österreichweit bisher nicht gegeben.
Die Auswirkungen waren auch im Alltag deutlich zu spüren. Während der extremen Hitzewelle verzeichnete die Berufsrettung Wien die drei einsatzstärksten Tage ihrer 144-jährigen Geschichte. Innerhalb von 72 Stunden rückten die Einsatzkräfte 3.975 Mal aus. Allein an einem Tag wurden 1.398 Einsätze gezählt. Üblicherweise liegt die Zahl der Alarmierungen zwischen 900 und 1.000 pro Tag. Besonders häufig mussten die Rettungsteams wegen Kreislaufproblemen, Überhitzung oder Herz-Kreislauf-Notfällen ausrücken.
Auch langfristig sehen die Fachleute einen klaren Trend. Klimatologe Alexander Orlik erklärte, dass die stärksten Hitzewellen heute im Durchschnitt rund sieben Tage länger dauern als noch um das Jahr 1960. Gleichzeitig nehme die Zahl der Tage mit mindestens 35 Grad ebenso zu wie die Zahl der Tropennächte. "Damit nimmt nicht nur die Wahrscheinlichkeit einzelner Rekordtage zu, sondern auch die besonders belastende Kombination aus langer Dauer, sehr heißen Tagen und warmen Nächten", sagte Orlik.