Aus dem Dienst wurde Haft. Eine Justizbeamtin der Grazer Karlau, eigentlich für Ordnung hinter Gittern zuständig, steht nun selbst als Haft-Insassin da. Heute Montag (9. Februar) verurteilte das Straflandesgericht Graz die Frau zu zwei Jahren Haft, acht Monate davon unbedingt – wegen Drogen- und Handy-Schmuggels ins eigene Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Vor Gericht legte die Frau ein umfassendes Geständnis ab. Sie habe nie geplant, in diesem Ausmaß zu handeln, erklärte sie. "Je länger sich die Sache hingezogen hat, desto größer ist der Druck geworden", sagte die Angeklagte. Immer mehr Häftlinge hätten von den Schmuggeln gewusst und weitere Lieferungen verlangt – berichtet die APA.
Besonders belastend sei für sie die Drohkulisse gewesen. Ein Insasse habe nach ihren Kindern gefragt und sogar deren Wohnort gekannt. "Ich habe mich dazu gezwungen gefühlt", sagte die zweifache Mutter unter Tränen. Der Richter zeigte wenig Verständnis und entgegnete trocken: "Sie haben sich die Suppe aber selbst eingebrockt."
Die Frau räumte ein, dass sie damit ihr gesamtes Leben aufs Spiel gesetzt habe. "Ich weiß. Ich bereue es sehr. Mein ganzes Leben hat sich auf den Kopf gestellt", erklärte sie vor Gericht. Ihren Ehemann nahm sie in Schutz und betonte, er habe vom gesamten Ausmaß nichts gewusst.
Auch mehrere mitangeklagte Häftlinge zeigten sich geständig. Sie gaben zu, bei der Beamtin Handys, Drogen, SIM-Karten oder Alkohol bestellt zu haben. Sichergestellte Chat-Verläufe machten ein Leugnen laut Anklage "sinnlos". Ein Komplize der Frau bestätigte, seinen Briefkasten als Übergabeort für Geld genutzt zu haben.
Am Ende stand für die frühere Justizbeamtin eine bittere Rollenumkehr fest. Statt Dienst zu versehen, muss sie nun selbst Haftregeln befolgen. Für das Gericht war klar: Das Vertrauen in eine Beamtin sei "massiv missbraucht" worden.