In Österreich gelten strengere Regeln für die Landwirtschaft und Tiertransporte als in vielen anderen Ländern. Trotzdem spielt vor allem der Preis eine große Rolle – und der ist bei lebenden Kälbern derzeit besonders hoch. Die Zahl der in Österreich geborenen Kälber sinkt und auch Krankheiten wie die Maul- und Klauenseuche sowie die Blauzungenkrankheit haben den Rinderbestand in Europa verringert.
„Die Kälber werden mit zwei oder drei Wochen transportiert. Sie leiden extrem bei der Hitze, bei der Fahrt durch das Rumpeln, weil sie einfach noch nicht trinken können, weil sie nicht abgestillt sind. Und wir holen uns dann das Fleisch wieder zurück hierher“Karin DollingerTierschutzsprecherin SPÖ
Die Zahl der Kälber-Tiertransporte ist zuletzt gestiegen. Der Preis für lebende Kälber liegt aktuell etwa doppelt so hoch wie jener für Schlachtfleisch.
Oft werden die Tiere im Süden Europas oder in Holland gemästet. Das fertige Fleisch kommt dann wieder zu uns zurück – und ist deutlich billiger als heimisches Fleisch. Die Bauern stehen unter massivem wirtschaftlichem Druck. Franz Wieder, Obmann der Fleckviehzüchter in Salzburg, meint dazu: "Viele Länder haben einfach andere Sozialstandards. Die Arbeitskräfte sind billiger. Man kann die Gegebenheiten nicht mit unserer Region vergleichen. Wir haben nur Grünland. Wir können da schwer mithalten."
Die Politik versucht, mit Förderungen gegenzusteuern. Noch vor einigen Jahren wurden zwar mehr Kälber transportiert, aber jetzt zeigt die Entwicklung wieder nach oben. 2024 waren es knapp 21.000, im Vorjahr sogar 26.800 Tiere. Das Mästen im Ausland bleibt viel günstiger als bei uns. Agrarlandesrat Maximilian Aigner (ÖVP) erklärt: "Es gibt auf EU-Ebene und auf Bundesebene Transportgesetze. Und wir haben im Land seit sechs Jahren ein Kälber-Projekt. Das soll heimische Metzgereien stärken."
Folgende Eingriffe muss eine Industrie-Kuh in Österreich ertragen:
Die Förderung zur Verhinderung von Kälbertransporten sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, betonen Bauernvertreter. In unseren Restaurants stammt rund 80 Prozent des Kalbsfleischs aus dem Ausland. Die Bauern fordern, dass in der Gastronomie klar gekennzeichnet wird, woher das Fleisch wirklich kommt.