Ein Igel wird von einem Auto angefahren und liegt verletzt am Straßenrand. Ein Vogel kracht gegen eine Fensterscheibe und bleibt benommen am Boden liegen. Viele Leute fassen sich in solchen Momenten ein Herz und wollen dem Wildtier helfen. Aber wohin mit so einem Tier? Immerhin muss das Tier, wenn es behandelt werden kann, bis zur vollständigen Genesung und Auswilderung artgerecht versorgt werden.
In Kärnten gibt es für solche Fälle derzeit keine offizielle Anlaufstelle. Und seit das Tierschutzkompetenzzentrum Klagenfurt (TIKO) wegen Platzmangels einen Aufnahmestopp verhängt hat, spitzt sich die Lage weiter zu.
„Es ist zu befürchten, dass das an uns Tierärzten hängenbleibt." Für die Behandlung eines Wildtiers bekommen die Tierärzte momentan nichts, außer der Finder übernimmt die Kosten. Aber wir sind ja schon froh, wenn sich die Leute überhaupt darum kümmern.“Franz SchantlKärntens Tierärztekammerpräsident
Schantl fordert daher, dass das Land Kärnten aktiv wird – einerseits bei der Finanzierung der Behandlung von Wildtieren, andererseits mit einer eigenen Auffangstation. In anderen Bundesländern gibt es so ein Angebot schon. In Kärnten hingegen gab es früher eine Natur- und Wildstation in Feldkirchen, betrieben vom 2024 verstorbenen Dietmar Streitmaier. Jetzt gibt es nur noch die Vogelhilfe Kärnten und eine private Igelstation, weiß Schantl: "Aber auch diese stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen."
"Uns ist die Bedeutung der Versorgung verletzter Wildtiere und das große Engagement jener Menschen, die sich dieser Aufgabe widmen, sehr bewusst", heißt es vom Land Kärnten. Für jagdbare Tiere sei die Jägerschaft zuständig. Bei nicht jagdbaren Tieren gibt es laut Gesetz keine Verpflichtung des Landes oder einer bestimmten Stelle, diese medizinisch zu versorgen und bis zur Auswilderung zu betreuen: "Wenn jemand einen verletzten Igel findet, darf und soll er natürlich helfen – etwa das Tier sichern und einer fachkundigen Stelle oder einer Tierärztin oder einem Tierarzt zuführen. Eine private Person darf einen hilfsbedürftigen Igel aber nicht einfach dauerhaft als 'Haustier' behalten. Wildtiere sollen grundsätzlich wieder in die Natur zurückkehren, wenn dies möglich ist."
Die Versorgung verletzter Wildtiere betrifft mehrere Rechtsbereiche und somit verschiedene Abteilungen im Land – Naturschutz, Tierschutz, Jagd- und Veterinärrecht. "Für die Errichtung einer Wildtierauffangstation braucht es zunächst einen geeigneten Träger beziehungsweise engagierte Personen, die bereit sind, eine solche Einrichtung fachlich und organisatorisch langfristig zu betreiben. Erst wenn eine nachhaltige Struktur vorhanden ist, kann geprüft werden, welche Unterstützungsmöglichkeiten infrage kommen", so das Land Kärnten, das bereits die "wichtige Arbeit der Vogelhilfe Kärnten, die einen wertvollen Beitrag bei der Betreuung verletzter Wildvögel leistet", unterstützt.
Vorerst dürfte es in Kärnten also weiterhin keine öffentliche Wildtierauffangstation geben. Und das Tiko Klagenfurt war auch vor dem Aufnahmestopp keine Wildtierstation. Um zu helfen, nahm man in der Vergangenheit aber unter anderem verletzte Schwäne oder Igel auf. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Telefonische Hilfe wird aber weiterhin angeboten.